Ein klarer Kopf in der Euro-Krise

12. Dezember 2012

Der 14. Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur steht fest: Der Hamburger Finanzwissenschaftler Prof. Gerold Krause-Junk wird im Sommersemester 2013 nach Mainz kommen, um die Probleme und Chancen der Europäischen Währungsunion zu beleuchten. Dabei will er als unabhängiger Kopf über den tagespolitischen Tellerrand hinausschauen. Er wird Grundlagen beleuchten und Aussichten skizzieren.
 

Sie haben lange gesucht. "Das Thema beschäftigt uns schon seit Jahren", sagt Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). "Aber es ist nicht leicht, jemanden zu finden, bei dem dieses Thema nicht zur politischen Veranstaltung wird." Nun hat der Verein der Freunde der Universität Mainz e.V. genau so jemanden gefunden. Mit Prof. Dr. Gerold Krause-Junk kommt im Sommersemester 2013 einer der führenden Finanzwissenschaftler an die JGU, um hier über "Die Europäische Währungsunion – Erwartungen, Erfahrungen, Perspektiven" zu reden.

"Vor allem suchten wir einen unabhängigen Spezialisten", ergänzt Prof. Dr. Andreas Cesana. Als Vorsitzender der Stiftung Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur führt er die Regie, wenn es darum geht, Jahr für Jahr attraktive Kandidaten auszuwählen. "Wir wollten jemanden, der keine Rücksicht nimmt auf politische Positionen oder auf die Interessen der Bankenwelt, eine Persönlichkeit, die mit der Vorgeschichte und den Hintergründen der Finanzkrise vertraut ist."

Anknüpfen an Hans-Dietrich Genscher

Eine Fähigkeit schätzt Cesana dabei besonders an Krause-Junk: "Er kann komplexe Themen einfach darstellen, wird dabei aber immer ihrer Komplexität gerecht."

Krause-Junk findet sich als 14. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessor in einer Reihe prominenter Persönlichkeiten wieder. Zu seinen Vorgängern zählen unter anderem der Soziobiologe Bert Hölldobler, der Umweltpolitiker Klaus Töpfer, Quantenphysiker Anton Zeilinger und Karl Kardinal Lehmann. Mit seiner Vorlesungsreihe wird der Finanzwissenschaftler an das Thema des Stiftungsprofessors aus dem Jahr 2002 anknüpfen. Damals sprach Hans-Dietrich Genscher über "Europa auf dem Weg in eine neue Weltordnung".

"Elf Jahre später fragt Prof. Dr. Gerold Krause-Junk: Wo genau stehen wir heute in diesem Prozess?", erläutert Cesana – und fügt hinzu: "Hoffentlich nicht am Ende."

Akzent für Forschung und Lehre

Die Stiftungsprofessur wurde 2002 anlässlich des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg ins Leben gerufen. Der Verein der Freunde der Universität Mainz e.V. gründete eine Stiftung, aus der jährlich rund 50.000 Euro fließen, um für das Sommersemester eine spektakulär besetzte Vorlesungsreihe zu finanzieren. Die Professur ist ein Geschenk an die Universität.

"Wir wollen damit die Attraktivität der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fördern", erklärt Ferdinand Scherf, stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Freunde. "Wir setzen einen Akzent für Forschung und Lehre und für lebendige Wissenschaft." Dieser Akzent lockte in den vergangenen Jahren nicht nur Tausende Studierende und Mitarbeiter der Universität, sondern auch interessierte Laien aus der Region in den Hörsaal. "Die Stiftungsprofessur ist ein Bindeglied zwischen der Mainzer Bevölkerung und der Universität", hält Scherf fest.

Wohin geht es mit Europa?

Dr. Hans Friderichs, Ehrenvorsitzender der Freunde der Universität Mainz e.V. und ehemaliger Bundeswirtschaftsminister, kennt Krause-Junk und weiß: "Es wird ihm nicht nur darum gehen, sich mit der aktuellen Euro- oder Staatsschuldenkrise zu beschäftigen, sondern er wird ausloten: Wohin geht es mit Europa?"

Gerold Krause-Junk, 1936 in Breslau geboren, lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2003 Finanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin und an der Universität Hamburg. Von 1995 bis 1999 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Finanzen. Die Internationale Finanzpolitik gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten. Als Stiftungsprofessor in Mainz wird er durch die Auswahl seiner Gastreferenten unterschiedliche Positionen zu Wort kommen lassen.

"Der neue Stiftungsprofessor hat sich nicht verleiten lassen, des Spektakels wegen extreme Positionen von links oder rechts hineinzunehmen", stellt Friderichs klar. "Ich verspreche mir von ihm eine wirkliche Aufarbeitung grundsätzlicher Positionen in einer Zeit, in der leider nur tagespolitisch diskutiert wird – und immer mit dem Zusatz, alles sei alternativlos."

Risiken der Finanzkrise begrenzen

"Die Bürgerinnen und Bürger sind verunsichert", ergänzt Krausch mit Blick auf immer neue Rettungsschirme. "Die Summen, von denen derzeit die Rede ist, sind unfassbar groß. Das Vertrauen in die wissenschaftliche Auseinandersetzung hat gelitten." Das komme Kraus-Junk gerade recht.

Am 14. April 2013 wird der Finanzwissenschaftler zum Empfang im Mainzer Rathaus erwartet, am Abend findet das traditionelle Fundraising-Dinner statt und am 16. April geht es dann los: An zehn Abenden im Sommersemester 2013 dreht sich alles um die Europäische Währungsunion, vier eingeladene Fachleute werden ihren Teil zur Diskussion beitragen. Wer das konkret ist, bleibt allerdings vorerst noch unter Verschluss.

Cesana verrät nur so viel zur Vorlesungsreihe: "Krause-Junk hält die Finanzkrise für dramatisch, glaubt aber, das wir die Risiken begrenzen können. Er wird zwar keine verbindlichen Lösungen bieten können, aber die Grundlagen, die kann er uns erklären."