Netze knüpfen für die Karriere

14. Dezember 2012

Es blickt auf zehn erfolgreiche Jahre zurück: das Coaching-Center für Nachwuchswissenschaftlerinnen. Ursprünglich war das Projekt des Frauenbüros der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) auf ein Jahr angelegt, doch es hat sich derart bewährt, dass es nicht mehr wegzudenken ist aus der Frauenförderung der Hochschule. Anlass genug, das Jubiläum mit einer Tagung zum Thema "Chancen in und mit Frauennetzwerken – Frauennetzwerke stellen sich vor" zu feiern.

Der einzige Mann auf dem Podium wünscht sich mehr Frauen an der Spitze. "Wir rühmen uns natürlich unserer Zahlen", so Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der JGU. Immerhin 22 Prozent Professorinnen und 53 Prozent Juniorprofessorinnen hat die Johannes Gutenberg-Universität Mainz vorzuweisen. Damit liegt der Frauenanteil über dem Durchschnitt deutscher Hochschulen. "22 Prozent sind toll", meint auch Krausch. "Aber sie sind natürlich nicht mehr so toll, wenn wir es mit 78 Prozent Männern vergleichen. Das zeigt, dass wir da weiter arbeiten müssen."

Einen wichtigen Teil dieser Arbeit stemmt das Coaching-Center für Nachwuchswissenschaftlerinnen. Zu seinem zehnjährigen Bestehen lud es zu einer Tagung, die sich mit einem wichtigen Baustein in der Karriere von jungen Wissenschaftlerinnen beschäftigte: "Chancen in und mit Frauennetzwerken – Frauennetzwerke stellen sich vor."

"Machen Sie so weiter!"

Viele waren gekommen, um zu gratulieren. Neben Krausch würdigte Prof. Dr. Eva Rentschler die Arbeit des Coaching-Centers. Die Gleichstellungsbeauftragte der JGU warf einen Blick zurück: "Ursprünglich war das Projekt des Frauenbüros auf ein Jahr angelegt, aber schon die Erfolge der ersten Jahre führten dazu, dass immer wieder Verlängerungen möglich waren."

Individuell gefördert im Coaching-Center wurden 50 Frauen; mehr als 2.000 nahmen an Informationsabenden, Vorträgen und Workshops teil. Ermöglicht wurde das durch finanzielle Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Hochschulpakts, um die sich die Mitarbeiterinnen des Centers Jahr für Jahr bemühen.

Dieses Engagement beeindruckt auch Vera Reiß, Staatssekretärin des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. In den 1990ern leitete sie das Frauenbüro der JGU. "Damals wäre es nicht selbstverständlich gewesen, dass der Präsident der Universität zu solch einem Anlass gratuliert", erinnert sie sich. Die Mitarbeiterinnen fordert sie auf: "Machen Sie so weiter! Die Landesregierung haben Sie als Partner an Ihrer Seite."

Fragile Freundschaften

Und sie machen so weiter, auch und gerade zum Jubiläum: Vertreterinnen von sechs Frauennetzwerken waren zu Tagung gekommen, um über ihre Arbeit zu informieren. Zudem war mit Dr. Elisabeth Maurer, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Zürich, eine Frau zu Gast, die der Frage nachging, warum Frauen sich oft schwertun, Kontakte für ihre Karriere zu knüpfen, während Männer sich unbeschwert in etablierten Seilschaften nach oben hangeln. "Fragile Freundschaften – Networking und Gender in der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung" überschrieb Maurer ihren Vortrag.

Sie sieht zwei verschiedene Typen von Netzwerken. Das eine lebt von "strong ties", von starken Verbindungen. "Sie sind wichtig, um eine Familie mit Kindern aufzubauen." Hier sind Frauen sehr aktiv und entschieden erfolgreicher als Männer. Schwächer sind sie, wenn es um die "weak ties" geht, die schwachen Verbindungen.

"Weak ties ergeben sich hin und wieder, sie müssen nicht intensiv gepflegt werden", erläutert Maurer. Ein wiederholtes Treffen auf einer Konferenz, Aufmerksamkeit gewinnen durch einen Vortrag, einem Kollegen nützlich sein und ihn vielleicht bei späterer Gelegenheit daran erinnern – all das praktizieren Männer. Frauen haben da einen Nachholbedarf, auch, weil sie oft viel Energie ins Familiennetzwerk stecken.

Sechs Netzwerke im Gespräch

Die "persönliche wissenschaftliche Freundschaft" ist für Maurer ein zentraler Baustein, wenn es ums Vorankommen geht. Sie ist quasi ein starker Knotenpunkt im Netzwerk der "weak ties": "Es ist wichtig, sich gegenseitig zu erkennen und anzuerkennen als interessante Person." So entwickele sich eine bereichernde Beziehung. "Sie ist nicht instrumentell herstellbar. Es ist eben eine Freundschaft, deswegen ist sie so wertvoll."

Business & Professional Women Germany, der Deutsche Akademikerinnen Bund, die Wissenschaftlerinnen-Datenbank FemConsult, Soroptimist International, der Zonta Club und Wirtschaftsweiber e.V. – sie alle hatten hochrangige Vertreterinnen zur Tagung geschickt, um die starken Seiten der "weak ties" aufzuzeigen. Sie diskutierten in Kurz-Workshops mit den Teilnehmerinnen oder nahmen sich an Info-Tischen Zeit für Einzelgespräche.

Hier schlug das Herz der Tagung, Zuhörerinnen wurden zu Akteurinnen. "Wenn Ihr Chef sagt: 'Einen schönen Abend noch mit Ihrem Mann.' Korrigieren Sie ihn dann?", fragte Susanne Hillens von den Wirtschaftsweibern. Ihr Verein spannt sein Netzwerk für lesbische Frauen. "Darf die sexuelle Orientierung einen Raum haben? Geht das einen Chef überhaupt etwas an?"

Scheu vor zusätzlichem Engagement

"Mir geht das total auf die Nerven, dass die Leute um mich herum immer annehmen, dass alle um sie herum immer hetero sind", meinte eine Teilnehmerin dazu. Beate Tyralla von den Wirtschaftsweibern erlebte, dass eine Klarstellung da viel bringen kann. In einem neuen Job begann danach für sie ein neuer – positiver – Abschnitt: "Ich erlebte einen sehr respektvollen Umgang."

Verschiedenste Lebens- und Karriereentwürfe kamen zur Sprache. "Zu uns kommen auch Frauen, die sagen, sie wollen nicht unbedingt Karriere machen, sie wollen einfach nur forschen", erzählt Dr. Sabine Werner vom Zonta Club Mainz. Fortschreitende Gleichberechtigung habe eine Ausdifferenzierung der Berufspläne auf allen Seiten zur Folge, stellt sie fest. "Und das ist gut so."

Weniger gut findet sie, dass junge Frauen manchmal nur schwer für Zonta zu begeistern sind. "Sie müssen sich in so vielen Bereichen engagieren, in Familie und Beruf, da scheuen sie noch ein zusätzliches Engagement."

Ein reiches Angebot

"Wenn ich sage, ich gehe 'netzwerken', dann klingt das manchmal so mühsam", gibt Hildegard Kaulen von Zonta zu. Aber sie hält dagegen: "Das ist es gar nicht. Netzwerken hat für mich etwas ganz Spielerisches."

Dieses Spielerische bestimmte die Tagung. Nicht steife Tagesordnung, sondern informeller Austausch stand im Mittelpunkt. Das blieb auch bei der abschließenden Podiumsdiskussion so. "Ich habe wahnsinnig viele Informationen mitgenommen", resümierte dort ein Tagungsgast. "Ich bin so angefüllt, dass mir jetzt erst einmal nichts mehr einfällt. Ich möchte einfach nur hingehen und mich umschauen: Wo passe ich hin in diesem reichen Angebot?"