Den Weg weisen von der Uni in die Wirtschaft

25. April 2013

Im Sommer 2012 riefen die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), die Universitätsmedizin und die Fachhochschule (FH) Mainz ein hochschulübergreifendes Gründungsbüro ins Leben. Auf dem Campus der JGU ist seitdem Hannah Hoffmann die Ansprechpartnerin für Studierende, Hochschulmitglieder, Professorenschaft und Alumni, die an eine Unternehmensgründung denken.
 

Sie möchten ein Institut für Sonderpädagogische Maßnahmen gründen, ein Café für vegan lebende Menschen in der Mainzer Neustadt etablieren oder ein Planungsbüro mit Schwerpunkt Ökotoxologie ins Leben rufen: Mit all diesen unterschiedlichen Anliegen hat es Hannah Hoffmann Woche für Woche zu tun. "Das sind natürlich nur ein paar aktuelle Fälle, die mir gerade in den Kopf kommen", so die Diplompädagogin, die seit Juli 2012 für das hochschulübergreifende Gründungsbüro von Fachhochschule, Universitätsmedizin und JGU arbeitet.

Zum Gespräch über ihre Arbeit hat Hoffmann Dr. Wolfgang Stille von der Stabsstelle Forschung und Technologietransfer der JGU mitgebracht, denn sie arbeitet eng mit dem Referenten für Technologietransfer zusammen. "Wir sind im Moment dabei, den Studierenden den Gedanken an eine unternehmerische Tätigkeit schon von Beginn an näherzubringen“, erklärt Stille.

Aufwind für Unternehmensgründungen

Die Idee, dass Studierende, Professorenschaft, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Alumni Unterstützung bekommen sollen auf dem Weg vom Campus in die Wirtschaft, ist nicht neu. Vor dem Jahr 2000 gab es da schon einmal eine Art Boom. Unternehmensgründungen aus den Hochschulen heraus waren häufig. "Anfang des Jahrtausends gab es dann eine gewisse Flaute", erklärt Stille. "Aber jetzt bekommen wir durch das Gründungsbüro neuen Aufwind, das Thema anzugehen."

Das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur und der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung stellten je 340.000 Euro zur Verfügung, um das Projekt zu etablieren und bis 2015 am Laufen zu halten. An den drei Hochschulstandorten greifen nun Mitarbeiterinnen des Gründungsbüros Menschen unter die Arme, die mit dem Gedanken spielen, eine Hochschulausgründung zu wagen, ganz allgemein ein Unternehmen zu gründen oder schlicht Fragen zu Fördermöglichkeiten – etwa einem EXIST-Gründerstipendium – haben.

Dass in diesem Bereich großes Potenzial schlummert, dass nicht nur neue Firmen, sondern auch neue, moderne Arbeitsplätze auf diese Weise entstehen, hat sich in der Vergangenheit gezeigt. Die BioNTech AG, die WEE-Solve GmbH und die Ganymed Pharmaceuticals GmbH sind nur drei prominente Mainzer Beispiele.

Wegweiserin durch den Dschungel der Angebote

Aber wie kann Hoffmann ihren gründungswilligen Klienten konkret helfen? "Wenn wie in einem aktuellen Fall eine Studentin ein Kleingewerbe gründen will, kann ich ihr eine Steuerberatungssprechstunde oder das IHK-Starterzentrum empfehlen." Die Diplompädagogin führt sie durch den Dschungel der Angebote. Sie schätzt ein, was jeweils passt und was nicht: Wohin muss sich jemand wenden, der eine App vermarkten will? Was ist zu beachten bei der Eröffnung eines Internet-Shops? Hoffmann weiß weiter.

Dabei legt sie Wert auf Diskretion. "Ich bin kein offener Marktplatz, alles wird vertraulich behandelt." Entsprechend zögerlich ist sie, wenn es darum geht, allzu Konkretes über die Ideen ihrer Klienten zu verraten.  Immer wieder fällt der Satz: "Tut mir leid, das darf ich Ihnen nicht verraten, da muss ich erst Rücksprache halten."

Doch Hoffmann berät nicht nur. Sie schaut sich auch um, welche Gründungsinitiativen es an der JGU schon gibt. "Ich versuche, ein Netzwerk zu spinnen." Und sie will herausfinden, was noch fehlt an Angeboten. Denn ein wichtiges Standbein des Gründungsbüros sind Vorträge und Workshops. So referieren im Bereich der Universitätsmedizin Mainz Fachleute zu Themen wie "Businessplan & Co.", "Praxisgründung" oder "Geschäftsübernahme". Abgesehen davon bestehen Kooperationen mit Institutionen wie dem Coaching-Center für Nachwuchswissenschaftlerinnen, aber auch mit Firmen und Banken jenseits des Campus.

Junge Mainzer auf der CeBIT

"Ich bin eine Vermittlerin, keine Gründungshelferin", stellt Hoffmann klar. Aber gerade an Vermittlung fehlt es eben oft. Außerdem weiß sie, welche Voraussetzungen jemand erfüllen muss, der etwa ein EXIST-Gründerstipendium beantragen will. Hier kann sie beraten, damit den ersten Schritten auf dem Weg zum eigenen Unternehmen weitere folgen können.

"Wir haben zu diesem frühen Zeitpunkt zwar noch keine Zahlen", fasst Stille zusammen, "aber wir sehen jetzt schon, dass unser Gründungsbüro sinnvoll ist. Die Unterstützung von Gründern hat eine ganz neue Dynamik bekommen."

Und dann wagen die beiden sich doch noch an ein konkretes Beispiel: "Auf der jüngsten CeBIT haben Mainzer ausgestellt, die Algorithmen zur Bauraumuntersuchung entwickelt haben", erzählt Stille. "Sie kümmern sich darum, wie komplexe Teile, zum Beispiel ein Motor, in einen Motorraum passen", ergänzt Hoffmann. Was passiert, wenn der Motor aneckt oder schwingt? All das können die potenziellen Unternehmensgründer simulieren.

Die zukünftige Firma hat noch keinen Namen, doch ein EXIST-Antrag wird demnächst gestellt. Darf also schon etwas darüber bekannt werden? "Wir werden nachfragen", sagt Hoffmann zum Abschied, "und geben Ihnen dann gern Bescheid."