Rumänische Sprache und Literatur kommen nach Mainz

29. Januar 2014

Zum Sommersemester 2013 bekam das Romanische Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) Zuwachs: Ein Lektorat für rumänische Sprache und Kultur  bereichert nun das Angebot. Gemeinsam mit dem Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte bietet dieses Lektorat nicht nur Sprachkurse an. Auch historische und literarische Aspekte des Landes sollen in den nächsten Jahren ausgelotet werden.Dr. Wolf Lustig (Foto: Peter Pulkowski)

Dr. Wolf Lustig vom Romanischen Seminar der JGU stellt fröhlich einen Stuhl nach dem anderen in sein Büro. Es wird eng zwischen den vielen Zimmerpflanzen, denn es haben einige Menschen etwas zu erzählen zum neu eingerichteten Lektorat für rumänische Sprache und Kultur.

Dr. Maria Ioana Sarca sitzt ihm gegenüber. Sie ist die zentrale Figur des Lektorats. Eigentlich lehrt sie deutsche Literatur an der Universität im rumänischen Großwardein. Für das Lektorat wurde sie nun nach Mainz entsandt. Aktuell bietet sie an der JGU Rumänisch-Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene und eine Einführungsvorlesung in die rumänische Kultur an.

Institut für rumänische Sprache finanziert Lektorat

Veronika Basica besuchte einige dieser Kurse. Im Hauptfach studiert sie Spanisch. Ihr Vater kommt aus Rumänien. "Rumänisch ist also meine Vatersprache", meint sie lächelnd. Diese Sprache will sie nun vertiefen.

Der Vierte in der Runde ist Prof. Dr. Hans-Christian Maner vom Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte am Historischen Seminar der JGU. Er und seine Kollegen werden in den kommenden Semestern die historisch-kulturelle Seite des Lektorats bereichern.

"Schon in den 1950er-Jahren gab es an der JGU Rumänisch-Unterricht", erzählt Lustig. "Leider wurde dieses Angebot aber irgendwann aus Geldmangel eingestellt." Maner und Lustig bemühten sich nun um einen Neuanfang. "Wir haben immer wieder beim rumänischen Konsulat nachgefragt." Es dauerte eine Weile, bis die Weichen gestellt waren. Dr. Maria Ioana Sarca (Foto: Peter Pulkowski)Aber dann kam dann die gute Nachricht: Das Institut für Rumänische Sprache in Bukarest finanziert das Lektorat in Mainz.

Das Lektorat wurde im Romanischen Seminar angesiedelt. "Es gibt nur ganz wenige Einrichtungen dieser Art in Deutschland", berichtet Sarca. Nach Berlin, Heidelberg, Leipzig und Regensburg ist Mainz erst der fünfte Standort.

Angebote zu Sprache, Kultur und Geschichte

"Eine Universität braucht immer Alleinstellungsmerkmale", so Maner. "Dies ist so ein Alleinstellungsmerkmal. Dabei wollen wir uns nicht auf Sprachkurse beschränken, sondern auch ein möglichst breites Angebot zur Geschichte und Kultur Rumäniens auf die Beine stellen. Das ist ungewöhnlich."

Bei der Eröffnung des Lektorats wurde dieses Vorhaben denn auch entsprechend gewürdigt. "Es ist meine feste Überzeugung, Zur offiziellen Eröffnung des Lektorats für rumänische Sprache und Kultur an der JGU kamen u.a. Staatsekretär im Rumänischen Außenministerium, Radu Podgorean (1. Reihe Mitte), Generalkonsul Mihail Botorog (5.v.r.) sowie die Leiterin des Instituts für Rumänische Sprache in Bukarest, Corinna Chertes (4.v.l.). (Foto: Stefan F. Sämmer)dass die Gründung des Lektorats für rumänische Sprache und Kultur einen Beitrag zur Intensivierung der Kontakte zu rumänischen Universitäten und damit zur Stärkung der Kooperationen zwischen Wissenschaftlern leisten wird", betonte S.E. Dr. Lazăr Comănescu, der rumänische Botschafter in Deutschland.

Ein kleines Problem allerdings hat das Lektorat. "Noch können wir für die besuchten Veranstaltungen keine Credits für Studien- oder Prüfungsleistungen vergeben", erklärt Dr. Wolf Lustig. Dennoch ist das Interesse da. 20 Studierende besuchen in diesem Semester die Kurse. "Das ist eine gute Zahl."

Kurse stehen allen Interessierten offen

Einige dieser Studierenden haben Wurzeln in Rumänien. An sie richtet sich das Angebot in besonderer Weise – und sie nehmen es an, wie Basica: Veronika Basica (Foto: Peter Pulkowski)"Wir haben zu Hause zwar Rumänisch gesprochen", meint sie. "Aber ich wollte mit der Sprache wissenschaftlich arbeiten und meinen Wortschatz erweitern."

Die Kurse des Lektorats stehen für Studierende aller Fachbereiche an der JGU offen und auch externe Gasthörer sind herzlich willkommen "Studierende der Volkskunde interessieren sich zum Beispiel besonders für unsere Kurse, weil Rumänien für seine reiche Folklore bekannt ist", meint Sarca.

Ansonsten allerdings ist in Deutschland erschütternd wenig bekannt über Rumänien. "Dabei gibt es in Rumänien eine sehr starke deutsche Kultur", erzählt Maner. "In Siebenbürgen etwa finden Sie viele deutsche Kulturgüter."

Der Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte des Historischen Seminars der JGU wird diese und andere historische Dimensionen einbringen. Das ist das große Anliegen von Prof. Dr. Hans-Christian Maner. "Ohne seine Geschichte ist ein Land nicht zu verstehen." Davon abgesehen ist an weitere Vernetzungen des Lektorats angedacht, etwa mit der Südosteuropa-Gesellschaft, die eine Zweigstelle in Mainz unterhält.

Gute Gründe, Rumänisch zu lernen

Trotz all dieser Bemühungen, trotz allem Engagement für das Lektorat mag mancher Studierende noch grübeln, was ihm ein Kurs in Rumänisch denn bei seinem Vorankommen bringen soll. Prof. Dr. Hans-Christian Maner (Foto: Peter Pulkowski)Hier findet Maner einige gute Gründe: "In Rumänien werden Deutschlehrerinnen und -lehrer gesucht. Es gibt auch viele Möglichkeiten, Praktika zu machen. Und es gibt Archive mit deutschem Material, die einfach brachliegen. Da werden händeringend qualifizierte Leute gesucht."

Es lohnt sich also, sich das Angebot des Lektorats für rumänische Sprache und Kultur anzuschauen – auch, weil sich dort viel tut. Im kommenden Semester etwa wird Sarca erstmals einen Lektürekurs anbieten. "Wahrscheinlich werden wir uns mit der Literatur aus der Zeit zwischen den Weltkriegen beschäftigen", meint sie.

Hier werden viele Studierende Anknüpfungspunkte finden. Moderne und Tradition, Nationalismus und freiheitlich geprägte Strömungen treffen aufeinander. In der rumänischen Literatur finden sich viele Aspekte, die in ganz Europa virulent waren. Es gilt also nicht nur, ein fremdes Land und eine fremde Sprache kennenzulernen, sondern eine Facette Europas zu entdecken, die viel mit Deutschland zu tun hat.