ARIEL holt Lehrende und Lernende ins Boot

31. März 2014

Mit ARIEL haben Jonathan Westwood, Micha Edlich und Dr. Bärbel Höttges vom Department of English and Linguistics der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) eine neue Lehr- und Lernplattform ins Leben gerufen. Sie soll es ermöglichen, online auf die Schwächen und Stärken der Studierenden einzugehen. Sie soll aber auch die Lehrenden in ihrer Arbeit unterstützen. Die erste Probephase ist mittlerweile abgeschlossen, im nächsten Semester kommen alle Studierenden des Fachbereichs in den Genuss von ARIEL.
 

Jonathan Westwood öffnet sein Notebook. "Am besten zeige ich Ihnen direkt, worum es geht", meint der gebürtige Brite. Und während er den Computer hochfährt, ergänzt Dr. Bärbel Höttges: "Vor dreieinhalb, vier Jahren saßen wir zusammen und überlegten, dass es praktisch wäre, wenn wir ein einheitliches Referenzsystem hätten, das nicht von unseren Kursen abhängig wäre, ein System, mit dem die Lehrenden besser erkennen können, wo die Schwächen der Studierenden liegen, das Studierenden direkt ein Feedback gibt und Übungsmöglichkeiten anbietet."

So wurde die Idee zu ARIEL geboren, zu den "Academic Resources for Interactive English Learning". Westwood, Höttges und ihr Kollege Micha Edlich, alle drei Mitarbeiter am Department of English and Linguistics der JGU, machten sich auf, um mit einer neuen elektronischen Lehr- und Lernplattform einen ganzen Sektor des Lehrbetriebs umzukrempeln.

ARIEL gegen Present-Perfect-Schwächen

Westwood entwickelte ein Modul zur Sprachkompetenz. "Deutsch-Muttersprachler haben immer wieder ähnliche Probleme beim Englischlernen", erläutert er und zeigt eine Testfrage seines Moduls. "Der Gebrauch des Present Perfect scheint besonders schwer zu fallen. Wann sage ich 'I did' , wann 'I have done'?"

Dieses Problem können die Studierenden nun über ARIEL beackern. Das Online-Portal ist in die ILIAS-Plattform der JGU integriert. Im vorigen Semester wurde es erstmals in drei Kursen mit insgesamt 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern getestet, Ende April werden dann alle Studierenden des Fachbereichs davon profitieren.

ARIEL bietet eine Vielfalt an Tests: von Lückentexten über Multiple Choice und Freitextaufgaben bis hin zu "Drag and Drop"-Übungen, die es den Studierenden ermöglichen, Satzstrukturen und formale Aspekte von Hausarbeiten einzuüben. Dann bekommen sie direkt eine Rückmeldung, was gut gelaufen ist und was nicht. Das geschieht sehr übersichtlich in Prozentangaben: Wer in Sachen Present Perfect 90 Prozent erreicht, muss sich wenig Gedanken machen, bei 60 Prozent dagegen wäre ein Nacharbeiten ratsam – das per ARIEL problemlos möglich ist.

ARIEL betreut und hilft individuell

"Auch in meinen Kursen kann ich das System gut anwenden. Der Computer zeigt mir die Ergebnisse der Studierenden und ich weiß, wo ich in der nächsten Stunde noch mal nachhaken sollte oder wo ich mein Übungsmaterial ergänzen muss", erzählt Westwood. So lernen auch die Lehrenden mit ARIEL und die Inhalte auf der Plattform werden immer wieder modifiziert. "Wir erschaffen damit eine neue Art von Partnerschaft zwischen Lehrenden und Studierenden."

Höttges ergänzt: "Wir haben oft Kurse mit 50 Studierenden, da können wir mit herkömmlichen Methoden nicht auf jeden eingehen, obwohl das eigentlich wichtig wäre, schließlich kommen da Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zu uns. Durch ARIEL wird diese Betreuung nun möglich. Früher konnte ich bei einer Hausarbeit nur Punkte abziehen, wenn das Sprachniveau zu niedrig war, jetzt kann ich sagen: Arbeiten sie gezielt in dem oder dem Bereich mit ARIEL."

Höttges entwickelte weitere Module für die Lehr- und Lernplattform. Bei ihr stehen die Literaturwissenschaft und das wissenschaftliche Arbeiten im Mittelpunkt. "Auch dort haben wir es in unseren Einführungskursen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen bei den Studierenden zu tun. Viele wissen natürlich, was ein Drama ist und was ein Roman, aber andere brauchen da Nachhilfe, die wir in den Kursen selbst gar nicht geben können." Eine ihrer Übungssektionen nennt sie "Poetry Essentials". Dort geht es um formale Grundlagen der Gedichtanalyse wie das Bestimmen eines Versfußes oder eines Reimschemas.

Ein ARIEL für viele Fälle

"Ich kann eine ganze Reihe von Bereichen abdecken", sagt Höttges. "Zum Beispiel kann jeder Studierende heute googeln, aber viele wissen bis weit ins Studium hinein nicht, wie sie in unseren spezielleren Datenbanken recherchieren sollen."

Ein weiteres wichtiges Feld ist das Problem des Plagiats. "Da fehlt häufig die Sensibilität dafür, dass eine Quelle angegeben werden muss. Das ist gar kein böser Wille, das ist einfach Ahnungslosigkeit. Andererseits sind viele bereits so verunsichert, dass ich Fußnoten wie 'Das haben wir im Seminar besprochen' finde."

ARIEL hat Westwood und Höttges viel Arbeit gekostet. "Aber letztendlich wird die Plattform Arbeit sparen", sagt Westwood. "Bisher war es so, dass jede neue Dozentin und jeder neue Dozent neues Übungsmaterial erstellen musste." Demnächst können alle ARIEL nutzen und an seiner Ergänzung mitarbeiten.

Das Gutenberg Lehrkolleg (GLK) erkannte den innovativen Ansatz der Online-Plattform und unterstützt das Projekt finanziell. "Das war wichtig", erzählt Höttges, "denn ARIEL muss gepflegt und gewartet werden. Dafür konnten wir Hilfskräfte einstellen."

Immer mehr ARIEL für die JGU

Nun mögen manche Studierenden befürchten, dass sie mit ARIEL auf Schritt und Tritt überprüft werden, dass sich jeder Ausrutscher irgendwo niederschlägt. "Darum geht es uns nicht", stellt Höttges klar. "Wir wollen die Studierenden unterstützen und ihnen eine Möglichkeit an die Hand geben, ihre Leistungen selbst zu verbessern. Im Grunde trauen wir ihnen damit mehr zu als bisher."

Auf längere Sicht wollen Höttges und Westwood ARIEL immer weiter öffnen. "Wir würden zum Beispiel gern mit anderen Fachbereichen und der Universitätsbibliothek zusammenarbeiten", sagt Höttges. Die englische Sprache spielt in Lehre und Wissenschaft eine immer größere Rolle, entsprechend wichtig könnte auch ARIEL für die Universität werden.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Im Moment geht es darum, ARIEL in den Fachbereich zu bringen – und da haben die Initiatoren noch viel Arbeit vor sich. In der Probephase kam die Plattform bei den Studierenden hervorragend an. Mehr als 80 Prozent gaben an, dass ARIEL ihnen half, Fehler zu vermeiden, dass sie die Plattform nutzen, um ihre Kenntnisse zu vertiefen, und dass sie es wichtig finden, die Materialien allgemein zugänglich zu machen. 96 Prozent wünschen sich einen Ausbau dieses E-Learning-Angebots. Nun werden Hunderte von Studierende und Dutzende von Lehrenden mit ARIEL Bekanntschaft machen. Die Schöpfer der Plattform dürfen gespannt sein.