Flirt mit der Flöte

14. Oktober 2014

Die Hochschule für Musik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der renommierte Fachhändler Flutissimo luden zum ersten Mainzer Flötenfestival. Die Premiere wurde zum Erfolg: Mehr als 250 Flötistinnen und Flötisten kamen, um an zwei Tagen Meisterkurse und Workshops zu besuchen, Konzerte und Vorträge zu hören oder sich bei der Flötenmesse über die neuesten Produkte am Markt zu informieren.
 

Es klingt nicht schön. Die Flötentöne, die aus dem Roten Saal der Hochschule für Musik dringen, dürften jeden Musikliebhaber in die Flucht schlagen. 35 Aussteller zeigen hier ihre Querflöten. Silbern und golden glänzen die Instrumente auf den Tischen. In einer Ecke stehen große Bassquerflöten – und noch größer: eine Kontrabassquerflöte, beinahe mannshoch und fast so dick wie ein Ofenrohr, aber entschieden feiner gearbeitet. Flötistinnen und Flötisten wandern von Stand zu Stand und probieren aus. "Das kann schon anstrengend sein", meint einer der Händler schmunzelnd. Aber er ist Schlimmeres gewohnt. "Bei einer großen Musikmesse hatten wir unseren Stand direkt neben den Saxophonen, das hätten Sie mal hören müssen."

Im Orgelsaal der Hochschule für Musik ist es entschieden stiller. Das Publikum versammelt sich, um dem Eröffnungskonzert des Mainzer Flötenfestivals zu lauschen. Bernd Wysk, der als Begründer des Flötenfachhändlers Flutissimo das Festival leitet, macht nicht viele Worte. "Dies ist eine Premiere. Es ist das erste Mal, dass wir ein Festival zusammen mit einer Hochschule anbieten." Auch die Größe des Festivals ist für ihn ungewohnt: 55 sehr verschiedene Angebote stehen auf dem Programm, darunter allein 14 Konzerte. 30 Dozentinnen und Dozenten geben ihr Wissen weiter. "Wir wollen nicht nur die Spezialisten ansprechen", erzählt Wysk. "Der achtjährige Musikschüler ist ebenso willkommen wie der Superprofi."

Mainzer Flötenquartett

Immerhin bestimmen Profis den ersten Ton. Das Mainzer Flötenquartett tritt auf. Vier Studentinnen spielen unter anderem Felix Mendelssohns "Scherzo aus dem Sommernachtstraum". Tomoyo Kusumi, Marija Milosavljevic, Kyoung Kim und Noemi Nagy stammen aus Japan, Serbien, Südkorea und Ungarn. In Mainz haben Sie zusammengefunden. Sie lernten bei Prof. Dejan Gavric an der Hochschule für Musik und gründeten vor drei Jahren ihr Quartett. Nach den Flötentönen der Messe wirkt ihr Konzert wie Balsam für die Ohren.

Die Vielfalt beim Flötenfestival ist ungeheuer. Die Gäste haben die Wahl: Wie wäre es mit einem Probespieltraining oder dem Kinderorchester, einem Vortrag zum "Umgang mit Lampenfieber" – oder dem Meisterkurs von Gavric?

Die Atmosphäre ist sehr konzentriert, der Kreis der Zuhörer klein. Der Professor für Querflöte und Kammermusik stellt Natalia Karaszewska aus Polen vor. "Sie ist 15 und sehr talentiert." Später wird sie mit anderen jungen Talenten ein Konzert geben, doch nun steht erst einmal ihr Flötenspiel auf dem Prüfstand. Karaszewska hat sich die "Hamburger Sonate" von Carl Philipp Emanuel Bach ausgesucht.

Dejan Gavrics Meisterkurs

"Sehr schön", lobt Gavric ihr Spiel. "Aber Philipp Emanuel Bach war viel näher an Haydn oder Mozart als an seinem Vater. Für mich ist es etwas zu langsam, ich würde es schneller spielen." Die beiden gehen ins Detail, manchmal im Duo mit zwei Flöten, manchmal solo oder mit einer Pianistin. "Das ist sehr gut, Natalia", lobt Gavric wieder, "aber ich brauche ein bisschen mehr Richtung, etwas mehr Spannung." Oder: "Wie klingt die Passage für dich?" – "Sie klingt romantisch." – "Ich würde nicht romantisch sagen, eher sehnsüchtig."

Selbst für den zuhörenden Laien ist dies der Königsweg, das Flötenspiel, ein Musikstück, die Geschichte und die Idee dahinter kennenzulernen. 30 Minuten konzentriertes, leidenschaftliches Arbeiten bringen unzählige Details ans Licht. Das geht bis zur Körpersprache der Flötistin. "Es ist fast eine Regel", erklärt der Professor. "Je mehr Töne wir zu spielen haben, desto weniger sollten wir uns bewegen."

Gavric unterstützte von Beginn an die Idee, das Flötenfestival an die Mainzer Hochschule für Musik zu holen. "Ich bin sehr froh, dass wir es hier haben. So was gab es bisher noch nicht in Rheinland-Pfalz. Für mich ist es außerdem sehr interessant, auch unsere Hochschule ein bisschen zu präsentieren."

Kinder flöten quer

Britta Roscher bietet den Workshop "Ich flöte quer ..." für Kinder bis zehn Jahre an. "Wir machen nicht lange Blabla, wir spielen", eröffnet die Musiklehrerin. Natürlich beginnt es mit Einspielübungen. "Ich weiß, das ist nicht spannend. Aber die Lippen lernen, wo sie sind, und die Luft wird aktiviert."

Roscher mischt Flötenspiel mit kleinen Gymnastikübungen, die Konzentration bringen und den Körper lockern, denn ergonomisch gesehen ist die Querflöte alles andere als ein ideales Instrument. Dann führt Roscher Schritt für Schritt hinein in die Faszination des Ensemble-Spiels …

Dreh- und Angelpunkt des Mainzer Flötenfestivals bleibt derweil die Flötenmesse. Wie wäre es mit einer Partitur? Smetana ist im Angebot, "Die verkaufte Braut, Ouverture for five Flutes", oder "Two Gershwin Classics, Arrangement für Flötenorchester". Daneben bietet ein Stand Flöten für Linkshänder. Sie sind relativ neu im Angebot. "Zu unseren Kunden gehören zunehmend auch Rechtshänder", erzählt Christina Xu, die natürlich selbst Flöte spielt. "Es ist ein Ausgleich, die Flöte mal auf der anderen Seite zu haben." Davon abgesehen schwört sie darauf, dass Linkshänder mit diesen Flöten entschieden besser lernen.

Gelungene Premiere

Doch zurück zu den Meisterkursen. Prof. Anna-Cathérine Heinzmann von der Hochschule für Musik Nürnberg ist an der Reihe. Auch sie geht ins Detail. "Ich finde deinen Ton sehr schön bei den polyphonen Teilen", macht sie einem Schüler Mut. "Ich finde grundsätzlich, dass du dich nicht verstecken musst. Es könnte nur manchmal mehr solistische Qualität haben." Note für Note, Takt um Takt schreiten die beiden voran. "Stopp, da würde ich nicht einfach drüber weg spielen … Die Frage ist, wann du atmest … Vielleicht so lebendig begleiten wie möglich." Dann ist es schon vorbei.

Heinzmann schaut bedauernd. "Wir müssen leider aufhören", meint sie. "Schade, es macht viel Spaß." Das könnte gut als Motto unter zwei Tagen Mainzer Flötenfestival stehen. Die Premiere an der Hochschule für Musik auf dem Gutenberg-Campus in Mainz ist gelungen.