Fitnessprogramm für die internationale Bühne

19. Januar 2015

Beim Sprachenzentrum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) herrscht Aufbruchstimmung. Nach der Fusion mit dem Internationalen Studienkolleg war es möglich, einige Stellen neu zu besetzen: Drei hauptamtlich Lehrende haben es sich gemeinsam mit der Leiterin des Sprachenzentrums auf die Fahnen geschrieben, zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen das Zentrum als Teil des Internationalen Studien- und Sprachenkollegs (ISSK) neu aufzustellen, das Angebot auszubauen und international anerkannte Standardprüfungen einzuführen.

"Wir sind zwar noch am Anfang", sagt Antonio Barquero, "aber es gibt schon viel Positives. Wir wollen etwas Neues aufbauen. Natürlich brauchen wir dafür Zeit und Ressourcen." Zusammen mit Chiara Angelini, Marina Schneider und Dr. Evelyn Müller-Küppers, (v.l.) Marina Schneider, Antonio Barquero, Dr. Evelyn Müller-Küppers und Chiara Angelini wollen das Angebot des Sprachenzentrums ausbauen. (Foto: Uwe Feuerbach) einer der beiden Leiterinnen des ISSK, sitzt der Spanier in der kleinen Bibliothek des Sprachenzentrums im Untergeschoss des Philosophicums. Die vier wollen erzählen von ihren Plänen.

Etwa 2.000 Studierende besuchen Semester für Semester das Sprachenzentrum. Hier können sie Kurse in neun Sprachen belegen. Ein Schwerpunkt liegt auf Deutsch als Fremdsprache. Das ist ein wichtiges Angebot für all jene, die aus dem Ausland kommen, um in Mainz zu studieren. Doch nicht weniger wichtig ist die Möglichkeit, Englisch, Französisch, Italienisch, Koreanisch, Russisch, Spanisch, Türkisch und neuerdings auch Chinesisch zu lernen. Zudem können die Lehrenden und das Verwaltungspersonal der Universität ihre Sprachkenntnisse im Zentrum aufpolieren oder erweitern.

Zwei Fremdsprachen als Minimum

"Kenntnisse in Englisch sind heute schon selbstverständlich", meint Barquero. "Der Europarat empfiehlt mindestens zwei Fremdsprachen." Zudem hat sich die Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine verstärkte Internationalisierung auf die Fahnen geschrieben. Da sind die Kurse des Sprachenzentrums ein wichtiger Baustein.

In der Vergangenheit gab es lediglich hauptamtliche Mitarbeiter für den Bereich Deutsch als Fremdsprache. "Alles andere haben wir über Lehrverträge geregelt", Dr. Evelyn Müller-Küppers leitet seit 1999 das Fremdsprachenzentrum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das 2012 mit dem Internationalen Studienkolleg zum Internationalen Studien- und Sprachenkolleg (ISSK) fusionierte. (Foto: Uwe Feuerbach) erklärt Müller-Küppers. "Wir hatten bis zu 60 Lehrbeauftragte, jetzt sind es immerhin noch etwa 45." Doch bei diesem Modell blieb einiges, was wünschenswert gewesen wäre, auf der Strecke. Denn Müller-Küppers musste sich neben ihren anderen Aufgaben um Planung und Koordination des Gesamtangebots kümmern.

Als im Jahr 2012 das Sprachenzentrum mit dem Internationalen Studienkolleg der JGU zum Internationalen Studien- und Sprachenkolleg (ISSK) fusionierte, ergab sich durch Umstrukturierungen die Chance, eine ganze und zwei halbe Stellen neu zu besetzen. Müller-Küppers konnte ein Trio Hauptamtlicher engagieren. Nun also nehmen ihr Marina Schneider im Bereich Englisch, Chiara Angelini im Bereich Italienisch und Antonio Barquero im Bereich Spanisch eine Menge Arbeit ab – und sie wollen durch zusätzliche Angebote das Zentrum voranbringen.

Ein Trio mit viel Erfahrung

Wie sie da sitzen, wirken die drei recht unterschiedlich. Marina Schneider wirkt eher ein wenig zurückhaltend, während sich Chiara Angelini mit viel Elan ins Gespräch wirft und Antonio Barquero kommt konzentriert und zu Beginn etwas ernst rüber. Was diese drei Typen aus drei Ländern jedoch verbindet, ist ihre große Erfahrung auf dem Gebiet des Sprachunterrichts.

Schneider stammt aus dem Saarland, hier studierte sie Anglistik und Germanistik fürs Lehramt an Gymnasien. Nach acht Jahren in den USA half sie mit, an der Universität des Saarlandes das neue Sprachenzentrum mitzugestalten. Marina Schneider lehrt seit am Sprachenzentrum der JGU allgemeine und fachsprachliche Kurse in Englisch. (Foto: Uwe Feuerbach) Danach war sie an den Sprachenzentren der Universitäten Jena und Bielefeld tätig.

"Die Zentren waren dort jeweils größer als das der JGU", erzählt sie, "und das, obwohl Bielefeld gerade mal halb so viele Studierende hat." Für Schneider ist klar: "Es gibt in Mainz Nachholbedarf. Wir brauchen vor allem das Englische, es wird als Wissenschaftssprache immer wichtiger." Müller-Küppers ergänzt: "'English only' ist aber bereits überholt. Für viele Studiengänge sind neben Englisch noch ein bis zwei weitere Sprachen erforderlich. Wir müssen die Mehrsprachigkeit hoch halten."

Standardisierte Sprachprüfungen

Ein wichtiger Aspekt dabei sind standardisierte Sprachprüfungen, die international anerkannt werden. "Bisher hatten wir den TestDaF für Deutsch, durch Kooperation mit der Hochschule Mainz den TOEFL für Englisch und das Institut Français Mainz bietet die Prüfungen DELF und DALF für Französisch an. Nun holen wir die entsprechenden Prüfungen für Italienisch und Spanisch an unser Sprachenzentrum", sagt Müller-Küppers. Für ein Auslandssemester reichten die bisherigen Prüfungsnachweise des Zentrums zwar aus. "Aber wer dauerhaft im Ausland studieren will oder dort einen Arbeitgeber sucht, braucht mehr." Dieses "Mehr" ist nun in Arbeit. So können sich Studierende wirklich fit machen für die internationale Bühne.

Diese Bühne ist Angelini in jeder Hinsicht wichtig. "Mit einer anderen Sprache lernt man auch eine andere Kultur kennen." Die Italienerin studierte, lehrte und arbeitete ursprünglich in Florenz. "Ich habe damals keinen Gedanken daran verschwendet, Chiara Angelini ist seit April 2014 als Lehrkraft für besondere Aufgaben für Italienisch am Sprachenzentrum tätig. (Foto: Uwe Feuerbach) jemals einen Ausländer zu heiraten", erinnert sie sich breit lächelnd. Genauso kam es aber. Mit ihrem Berliner Ehemann lernte sie Deutschland kennen und machte unter anderem Station in den Sprachenzentren der Universitäten Marburg, Dresden, Passau und Frankfurt. Außerdem absolvierte sie die Ausbildung zur Gymnasiallehrerin für Italienisch und Politikwissenschaft.

Ihr ist es wichtig, ein Fenster zu schaffen zur anderen Sprache, zur anderen Kultur – und das durchaus auch mal buchstäblich. "Wir unterhalten in Mainz zum Beispiel eine Partnerschaft mit Parma." Per Videoschaltung tauschen sich bei diesem Projekt italienische Studierende, die Deutsch lernen, mit deutschen Studierenden, die Italienisch lernen, aus. "So erleben sie viel authentischer die Sprache, die in dem jeweiligen Land gesprochen wird, und sie lernen die Menschen kennen."

E-Learning besser integrieren

Der Austausch von Mensch zu Mensch steht im Sprachenzentrum grundsätzlich im Vordergrund. "Als mit den neuen Medien das E-Learning aufkam, dachte man mal, das Verhältnis von bisherigem Unterricht zum E-Learning würde sich auf 50:50 einpendeln", sagt Müller-Küppers. Doch die Praxis hat gelehrt: "E-Learning nimmt etwa 20 Prozent ein."

Natürlich ist die Einbindung moderner Medien wichtig. "Aber wenn Sie einen Backofen haben, heißt das noch lange nicht, dass Sie Kuchen backen können", Antonio Barquero fördert im Sprachenzentrum der JGU insbesondere den Bereich E-Learning und hat bereits entsprechende Kurse für Lehrende angeboten. (Foto: Uwe Feuerbach) meint Barquero. Der Spanier hat viel Erfahrung auf dem Gebiet dieser ganz speziellen medialen Kuchen. Unter anderem studierte er Didaktik des Spanischen als Fremdsprache an der Universidad de La Rioja und Methodologie des Spanischen als Fremdsprache in Barcelona. Er hat bereits E-Learning-Kurse für die Lehrenden des Sprachenzentrums der JGU angeboten, damit es noch besser in den Unterricht integriert wird. Auf diesem Weg will er weitergehen.

Für das neue Team gibt es also einiges zu tun. Die Lehrpläne der einzelnen Kursangebote will es besser aufeinander abstimmen, es will Medien für den Unterricht weiter und neu entwickeln, weitere Kooperationen mit Universitäten sind geplant. "Leider sind die Verträge der drei auf zwei Jahre befristet", erzählt Müller-Küppers zum Schluss. Das ist der kleine Dämpfer, mit dem das motivierte Team leben muss. Der Aufbau wird länger dauern, das wissen alle Beteiligten. "Er soll schließlich nachhaltig sein und wirklich zu einer Internationalisierung der JGU beitragen."