Starthilfe fürs Studium im fremden Land

17. Oktober 2014

Mit den InfoDays begrüßt das Welcome Center der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der ganzen Welt auf dem Gutenberg-Campus. Studentische Tutorinnen und Tutoren erleichtern den Neuankömmlingen den Start im fremden Land und an der Hochschule. Das dreitägige Programm vermittelt all die großen und kleinen Dinge, die zum Studieren in Mainz nötig sind.
 

Ein wenig nervös wirkt Patricia Martins schon. Die Portugiesin ist über das Leonardo-da-Vinci-Programm der EU nach Mainz gekommen. In einem halbjährigen Praktikum arbeitet sie einerseits in der Abteilung Internationales der JGU, andererseits will sie hier ein Semester Germanistik studieren. Aber reichen ihre Deutschkenntnisse? Welche Behördengänge stehen an? Und was genau muss die 27-Jährige erledigen, bevor sie die erste Vorlesung oder das erste Seminar besuchen kann?

Um all das zu erfahren, sitzt sie hier im größten Hörsaal der Universität. Um sie herum trudeln nach und nach Studierende aus aller Herren Länder ein. Sie alle sind eingeladen zu den InfoDays des Welcome Centers der JGU: Drei Tage lang werden sie die Universität und die Stadt kennenlernen.

Neu an der JGU

Manche sind gerade mal ein paar Stunden im Land. "Ich bin gestern angekommen", erzählt Kwon Dogeon. Zu Hause in Südkorea hat er Germanistik studiert, nun ist er auf ein Auslandssemester in Mainz. "Es ist schön hier", sagt er höflich. Viel hat er jedoch noch nicht gesehen, die Menschen sind ihm noch fremd. "Ich bin gespannt."

Ihm gegenüber ist Martins im Vorteil. Sie konnte sich bereits einige Wochen umschauen. Mainz gefällt ihr. "Es ist eine große Stadt, aber nicht zu groß. Hier ist es nicht zu hektisch, alles ist noch überschaubar." Im Vorfeld hatte sie gehört, dass die Deutschen eher als kühl gelten. "Die Erfahrung habe ich nicht gemacht. Ich habe schon im Zug hierher Leute kennengelernt. Wir bleiben in Kontakt."

Das alles erzählt Martins auf Englisch. Deutsch möchte sie lieber noch nicht reden, selbst wenn sie bereits einiges gelernt hat. Auch in dieser Hinsicht steht sie nicht allein in diesem bunten Gemisch an Studierenden.

Englisch oder Deutsch?

Auf diese Situation haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Welcome Center eingestellt. Snjezana Teljega begrüßt die Studierenden auf Deutsch, setzt aber gleich hinzu: "Don't worry. Everything I say my colleague Gabriel Belinga Belinga will repeat in English." Das Programm ist bereits am ersten InfoDay dicht gepackt. "Sie erleben heute viele wichtige Sachen", verspricht Teljega. Unter anderem ist der Sprachtest für 16 Uhr angesetzt. Davor bleibt allerdings noch einiges zu erledigen. Die Studierenden werden Mietverträge unterzeichnen, eine Krankenversicherung abschließen und vor allem den Campus kennenlernen.

"Im Vorfeld haben alle eine Liste bekommen mit dem, was sie schon selbst erledigen können", erzählt Teljega. "Trotzdem gibt es immer mal den Fall, dass jemand völlig unvorbereitet hier steht und nicht weiß, wo er übernachten soll. Dann helfen wir natürlich, schauen mit dem Studierendenwerk, ob wir ein Zimmer für bekommen oder notfalls erst mal einen Platz auf einer Couch."

Das scheint diesmal nicht nötig zu sein. Dafür haben viele ein Detail übersehen: Sie sollten die Sozialbeiträge für das Semester bereits überwiesen haben. Martins, Dogeon und eine ganze Reihe weiterer Neuankömmlinge haben das aber noch vor sich. Es wird ihr erster offizieller Gang am InfoDay.

Volles Programm

Die Begrüßung durch Teljega und Belinga Belinga fällt herzlich aus, aber es gibt viel zu tun. Dr. Ute Roßmann-Knapp und ihre studentischen Tutorinnen und Tutoren übernehmen nun. Sie teilen die Stipendiatinnen und Stipendiaten in sechs Gruppen zu jeweils rund 30 Personen. Bunte Klebepunkte zeigen die Zugehörigkeit. Martins gehört zur Gruppe Orange.

Von nun an betreuen Studierende der JGU ihre internationalen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Das schlägt sich im Ton nieder. Julia Trebing ist schon seit ein paar Jahren als Tutorin dabei. "Ihr könnt mir vertrauen, wenn ich was sage", meint sie mit einem breiten Lächeln. "Ich habe nicht immer unrecht." Ihr zur Seite stehen zwei weitere Tutorinnen, Neulinge auf dem Gebiet.

Die Frage steht an, ob die drei bei der kommenden Tour Englisch oder Deutsch reden sollen. "Wer kein Deutsch versteht, wer kein Wort von dem versteht, was ich hier sage, hebt die Hand", sagt Trebing – und grinst. Natürlich hebt niemand die Hand. "Das war ein Test."

Gruppe Orange entscheidet sich für Deutsch. Maria Miruna Tupu spricht die Sprache zwar noch recht verhalten, Englisch kommt ihr flüssiger über die Lippen. "Aber da muss ich durch", meint die Rumänin zwinkernd, "ich will es ja lernen." Derweil hat Dogeon in Tutorin Yujeong Han jemanden aus der Heimat gefunden: Auch sie kommt aus Südkorea. Er ist sichtlich erfreut über dieses kleine Stück Zuhause.

Viele Fragen

Die Tour startet Richtung Bankfiliale, damit die Gaststudierenden, die ihre Sozialbeiträge noch nicht eingezahlt haben, dies hier erledigen können. Der Weg dorthin gibt Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. So lernt Martins eine Polin kennen, die ebenfalls Germanistik studiert.

Außerdem beantworten die drei Tutorinnen allerlei Fragen. Wie ist so eine Überweisung auszufüllen? Wie sieht der Deutschtest nachher aus? Ist das eine schriftliche Prüfung oder wird auch mündlich abgefragt? Dieser Punkt interessiert Martins besonders.

All das erklären die Tutorinnen. Auf der Tour wird erst richtig klar, was alles nötig ist für das Leben auf dem Campus. Unter anderem geht es zum Internationalen Studien- und Sprachenkolleg (ISSK). Hier werden viele der Neuankömmlinge Sprachkurse besuchen. Aber auch die Mensa steht auf dem Programm oder die Sportanlagen, denn das Angebot des Hochschulsports an der JGU ist groß.

Niemand bleibt allein

Martins ist beeindruckt vom Gutenberg-Campus. In Portugal studiert sie International Relations. Sie spricht neben Portugiesisch noch Englisch, Italienisch und Spanisch und hat einige Auslandserfahrungen. Ihr fallen Details auf, etwa die Kindertagesstätte auf dem Campusgelände. "So etwas gibt es bei uns nicht. Das finde ich einen tollen Service."

Drei Tage lang wird Gruppe Orange nun unterwegs sein. Die Studierenden werden sich immatrikulieren und zu Lehrveranstaltungen anmelden, sie werden auch all die Institutionen kennenlernen, die sich um ausländische Studierende kümmern, denn davon gibt es einige an der JGU. Am Schluss steht eine Stadtführung durch Mainz auf dem Programm.

Noch schauen Duong, Tupu und einige andere etwas unsicher in die neue, unbekannte Welt, aber das wird sich ändern. Erste Bekanntschaften haben sie schon geschlossen. Nun kann es weitergehen auf ihrem Weg. Sie sind hier ja nicht allein.