Der Mensch kommt aus Afrika

5. Dezember 2011

Friedemann Schrenk ist der 13. Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur. In seiner Vorlesungsreihe zum Sommersemester 2012 wird sich der Paläoanthropologe mit der Entwicklung des Menschen beschäftigen. Unter dem Titel "Out of Africa: Zur Globalgeschichte des Homo sapiens" will er räumliche, biologische und kulturelle Verflechtungen aufzeigen, die zum heutigen Menschen führten.
 

Im Jahr 1991 entdeckte Prof. Dr. Friedemann Schrenk in Malawi den Unterkiefer eines frühen Vertreters der Gattung Mensch. Mit 2,5 Millionen Jahren ist dieses einmalige Stück das bisher älteste seiner Art. Der Paläoanthropologe sorgte damit weltweit für Aufsehen.

Dies ist einer der Gründe, warum der Verein der Freunde der Universität Mainz e.V. den gebürtigen Stuttgarter als 13. Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur nach Mainz eingeladen haben. "Friedemann Schrenk war für uns von Anfang an ein Wunschkandidat", erklärt Prof. Dr. Andreas Cesana, Vorsitzender der Stiftung "Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur", bei der offiziellen Vorstellung Schrenks an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Er ist einer der weltweit führenden Paläoanthropologen, außerdem ist er ein glänzender Wissenschaftskommunikator und er engagiert sich sehr für sein Fach, für die Universität und für Afrika."

Peter Radermacher, Vorsitzender der Vereinigung der Freunde, ergänzt: "Wir sind einfach nur stolz an diesem Tag." Der neue Stiftungsprofessor werde Ansehen und Attraktivität der Universität fördern, er werde neue Akzente in Forschung und Lehre setzen.

Geschichte des Homo sapiens

Schrenks Vorlesungsreihe für das Sommersemester 2012 trägt den Titel "Out of Africa: Zur Globalgeschichte des Homo sapiens". "Homo sapiens sind wir alle", sagt der Paläoanthropologe. "Die Frage ist, wie wir unseren Ursprung sehen." Wo der liegt, ist Schrenk und seinen Kollegen längst klar: "Es gibt keinen Fund, der älter als zwei Millionen Jahre ist und nicht aus Afrika stammt." Dennoch trifft der Paläoanthropologe oft auf Skepsis, wenn er die "Out of Africa"-These vertritt. "Wenn ich das in Europa erzähle, werde ich immer noch seltsam angeschaut, auch in Deutschland. Aber noch seltsamer werde ich in Afrika angeschaut."

Der Unterkiefer aus Malawi steht für einen Wendepunkt auf dem Weg zum modernen Menschen. Das wird auch im Sommersemester an der JGU zur Sprache kommen. "Vor 2,5 Millionen Jahren beginnt die kulturelle Evolution. Das passiert an einer Stelle, wo Umwelt- und Klimaveränderungen stattfinden. Die Nahrungsgrundlagen ändern sich hin zu hartfaserig und hartschalig." Ein Menschenzweig, der Homo robustus, entwickelt daraufhin Riesenzähne zum Zerkauen der Nahrung. "Die anderen lösen es anders, nämlich mit Kultur, mit Werkzeugen." Dies sind die Vertreter des Homo rudolfensis, eines grazilen Vorfahren des Homo sapiens.

Afrika ins Bewusstsein rücken

In mehreren Wellen verbreitete sich die Gattung Mensch über den Globus, die Wiege lag dabei immer in Afrika. Deswegen will Schrenk diesen Kontinent in seiner Vorlesungsreihe besonders ins Bewusstsein rücken. "Es wird oft gesagt: Afrika hat keine Geschichte." Gegen diese Missachtung engagiert sich Schrenk seit Jahrzehnten. Unter anderem ist er Mitbegründer eines Museumscenters im malawischen Karonga und er unterstützt die Ausbildung von Fachkräften vor Ort.

Wie die vorigen Inhaber der Gutenberg-Stiftungsprofessur wird Schrenk Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen zu seiner Vorlesungsreihe nach Mainz holen. Dass darunter auch einige afrikanische Kollegen sein werden, ist für ihn selbstverständlich. Darüber hinaus wollte er noch nichts Genaues sagen - eigentlich. Auf die Frage nach seiner originellen Krawatte allerdings, die als Muster Abbildungen hominider Schädelfunde zeigt, rutscht es ihm heraus: "Die hat mir Richard Leakey geschenkt, dessen Frau Meave hier im Sommer ... Mist, jetzt habe ich doch was verraten." Die berühmte Paläoanthropologin wird also auf jeden Fall zu den Gastrednern zählen.

Professur ist ein Geschenk an die Uni

Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin der JGU, ist davon überzeugt, dass Schrenk zeigen wird, "wie brisant ein scheinbar abgelegenes Thema sein kann". Sie betont: "Die Stiftungsprofessur ist ein sehr, sehr großes Geschenk für uns." Das ist sie in der Tat, denn für die Deckung aller Unkosten stellt die Stiftung der Freunde der Universität jährlich rund 50.000 Euro bereit. Durch dieses private Engagement wird die Professur überhaupt erst möglich.