Der Universität fest verbunden

23. Juni 2016

Beinahe sieben Jahre ist es her, dass Harald Büdinger, Michael Welling und Wolfgang Fein durch eine großzügige Spende die Einrichtung eines Eltern-Kind-Raums auf dem Gutenberg-Campus möglich machten. Nun schauten die Geschäftsführer der Geotechnik Büdinger Fein Welling GmbH auf dem Campus vorbei um zu sehen, was aus dem Raum geworden ist, und erzählten bei dieser Gelegenheit von ihrer ganz persönlichen Verbundenheit zur Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).
 

Zuerst steht eine Stippvisite in der Zentralmensa an. "Wir wollen schauen, wie nach all den Jahren das Essen an der Uni ist", meinte Wolfgang Fein schon vorab am Telefon. Nach dem freiwilligen Selbstversuch kommen die drei die Mensatreppen zum vereinbarten Treffpunkt hinunter. "Es hat sich nicht viel geändert", resümiert Michael Welling lächelnd, während Harald Büdinger einräumt: "Gut, wir waren nur in der Cafeteria." Sonst wäre ihnen sicherlich die eine oder andere Neuerung aufgefallen.

Tatsächlich war diese erste Station eher ein Aufwärmen alter Erinnerungen. Schließlich haben alle drei einst an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Nun aber geht es zu ihrem eigentlichen Ziel: dem Eltern-Kind-Raum, der im Jahr 2010 durch ihr Engagement möglich wurde. 10.000 Euro spendeten sie ein Jahr zuvor. Anlass war das 25-jährige Jubiläum ihrer gemeinsamen Firma.

Gern genutztes Angebot

Es geht in den Staudingerweg 9, in einen der sogenannten Kreuzbauten auf dem Gutenberg-Campus. "Der stand schon, als wir unser Studium begannen", erinnert sich Fein. Das war 1977. Im zweiten Stock befindet sich der Eltern-Kind-Raum. Stefanie Schmidberger vom Familien-Servicebüro der JGU ist mitgekommen – nicht nur um aufzuschließen, sondern auch, um ein wenig vom Erfolg der Initiative zu erzählen.

Der Raum wirkt wie ein großes fröhliches Wohnzimmer. Auf der Fensterseite warten zwei PC-Arbeitsplätze mit Telefonanschluss auf erwachsene Nutzerinnen und Nutzer. Davor breitet sich eine bunte Kinderwelt aus. Vom Mini-Spielhaus über die Krabbeldecke bis hin zum Schaukelpferd und zum Bobby Car ist alles da. Im Regal stehen Bilderbücher und Spielzeug. Eine kleine Küchenzeile, einen Wickeltisch und Sitzecken gibt es auch.

"Es gibt schon Gebrauchsspuren", räumt Schmidberger ein. Die allerdings zeugen davon, wie sinnvoll dieser Raum ist. "Das Angebot wird sehr rege genutzt. Vor allem während des Kita-Streiks war hier viel los", sagt sie. Studierende und Beschäftigte der JGU können den Schlüssel zum Eltern-Kind-Raum ausleihen, wenn sie in Ruhe arbeiten wollen, aber gerade keine Möglichkeit haben, ihre Kinder unterzubringen.

Büdinger, Fein und Welling lassen sich zwischen all den Spielsachen nieder. Sie sind sichtlich zufrieden. "Als wir hier studierten, gab es so etwas noch nicht", sagt Fein. Die Eltern aber, die nicht wussten, wie sie Job oder Studium und Kind unter einen Hut bringen sollten, die gab es schon. Auch daran erinnern sich die drei.

Geologie im Jahr 1977

"Wir drei haben Geologie studiert", erzählt Fein. "Bei der Einführungsveranstaltung sagte man uns schon: Wollt ihr nicht lieber etwas anderes studieren? Ihr bekommt später keinen Job." Doch die drei ließen sich nicht beirren. Sie erlebten den jetzigen JGU-Vizepräsidenten für Forschung, Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister, noch als Uni-Assistenten. "Sie müssen unbedingt mal einen Vortrag von ihm hören", meint Welling.

Vor allem aber erlebten sie den damaligen rheinland-pfälzischen Landesgeologen Prof. Dr. Edmund Krauter, der an der JGU die Forschungsstelle Rutschungen einrichtete. "Krauter war in unserem doch recht theoretischen Studium das Verbindungsglied nach draußen in die Praxis und in die Berufswelt", erinnert sich Büdinger. Krauter brachte Ingenieure und Geologen zusammen. "Bei ihm hatte ich immer das Gefühl, dass es ist sinnvoll, was ich mache, und dass es einen praktischen Nutzen hat."

Krauter stellte mit seinen Bodenuntersuchungen in gewisser Weise die Weichen für Büdinger, Fein und Welling. "Nach dem Studium bekamen wir tatsächlich keinen Job", erzählt Fein. "Also taten wir uns zusammen und gründeten unsere eigene Firma." – "Jeder legte 20 Mark auf den Tisch", feixt Welling.

Von der Uni zum Unternehmen

So oder so ähnlich entstand 1984 die Geotechnik Büdinger Fein Welling GmbH. Das Unternehmen bietet Geländeuntersuchungen aller Art an: Wer etwa bauen will, muss schließlich wissen, was für Schadstoffe im Boden lagern, wie der Boden beschaffen ist, wie es um das Grundwasservorkommen steht und vieles mehr. Auch Krauters Rutschungen sind ein Thema, mit dem sich das Trio bis heute befasst.

"Von vielem hatten wir am Anfang keine Ahnung", sagt Büdinger. "Wir haben es uns nach und nach angeeignet. Was wir an der Universität gelernt hatten, war vor allem, wie man es angeht, wenn man ein Problem vor der Brust hat." Mit den Jahren kamen immer neue Anforderungen auf die Firma zu. "Es gab ständig neue Fragestellungen in Verbindung mit dem Boden. Man fragte uns: Macht ihr das auch? Also machten wir es", berichtet Fein. Anfang der 1990er-Jahre waren Expertisen von Fachleuten wie Büdinger, Fein und Welling besonders gefragt. Die Konversionsflächen und die neuen Bundesländer wurden eine Herausforderung.

Seit Jahren ist die Firma zudem auch auf dem Campus tätig. Für viele Bauvorhaben untersuchte sie den Untergrund. Büdinger nennt als Beispiele die Physikalische Chemie, das MPI und das Institut für Molekulare Biologie (IMB).

Platz für Studierende

Als das Firmenjubiläum der Geotechnik Büdinger Fein Welling GmbH anstand, erfuhr das Gründertrio, dass die Boehringer Ingelheim Stiftung mit einer Riesenspende die Einrichtung des IMB auf dem Campus ermöglichte. "Wir dachten bis dahin an eine große Feier zu unserem 25-jährigen Bestehen", sagt Fein. "Nun kamen wir auf die Idee, auch etwas zu spenden." Die JGU schlug den Eltern-Kind-Raum vor. Der wurde dringend benötigt, aber das Geld dafür fehlte. Büdinger, Fein und Welling sagten zu.

Bis heute sind die drei Gutenberg-Alumni ihrer Alma Mater in vielfacher Hinsicht verbunden geblieben. "Wenn unsere Angestellten Geländedaten sammeln, sind immer auch Studierende der JGU dabei", erklärt Welling. "Wer sich im Bereich der Geowissenschaften für angewandte Geologie, Ingenieurgeologie und Umweltgeologie interessiert, ist bei uns richtig." Immer wieder bietet das Ingenieurbüro Praktikumsplätze und Studentenjobs an. Denn es gibt viel Arbeit in diesem Bereich.

Die Arbeit ruft auch jetzt wieder: Büdinger, Fein und Welling werden allmählich unruhig. Ein paar Stunden konnten sie sich für den Besuch freinehmen, aber nun geht es zurück ins Büro. Schaukelpferd, Bobby Car und Krabbeldecke bleiben zurück. Ausnahmsweise wird es still im Eltern-Kind-Raum.