Universität bildet Mechaniker vom Feinsten aus

9. März 2012

An die Uni geht es zum Studieren, das ist jedem klar. Doch wer weiß schon, dass die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) auch einer der größten Ausbildungsbetriebe der Region ist? Jetzt hat die Werkstatt am Institut für Physik ihren Ausbildungsbereich für Feinwerkmechaniker modernisiert und stellt ihre neuen CNC-Maschinen vor.
 

Lukas Krick spannt einen metallenen Zylinder in die hoch moderne Drehmaschine. Dann legt CTX 310 DMG Eco Line los. Eine Scheibe schützt vor Spänen, jeder kann zuschauen. Ein diskusförmiger Werkzeugträger macht sich mit seinen verschiedenen Aufsätzen an die Arbeit. Der Auszubildende zum Fernwerkmechaniker kann alles per Tastatur steuern. Nach wenigen Minuten schon ist das Werkstück fertig: Krick entnimmt einen silbern glänzenden Eierbecher.

"Das ist ein Schnapsglas", ruft jemand. In der Ausbildungswerkstatt des Instituts für Physik der JGU herrscht Feierstimmung angesichts der beiden neuen CNC-Geräte, die Werkstattleiter Siegbert Felzer und seine Mitarbeiter nun präsentieren können. Rund 200.000 Euro haben die Drehmaschine und die daneben stehende Fräsmaschine gekostet. "Das ist günstig", betont Felzer. Dann erklärt er noch: "Wir sind eine der modernsten Werkstätten auf dem Campus; damit unsere Ausbildung zukunftsfähig bleibt, brauchen wir solche Maschinen."

Fundament für Experimente

Die Mechanische Werkstatt nimmt das gesamte Erdgeschoss des Instituts für Physik ein. Sie ist das Fundament für all die Experimente, mit denen sich Wissenschaftler und Studierende in den Stockwerken darüber beschäftigen. Hier wird keine Massenware hergestellt, vielmehr geht es um genau auf ihre Verwendung abgestimmte Unikate, die in ihrer Komplexität den eben produzierten simplen Eierbecher weit in den Schatten stellen.

"Viele Menschen haben die Uni gar nicht als Ausbildungsstätte auf dem Schirm", meint Walter Landua. Er ist seit 1980 als Ausbildungsleiter dabei. "Damals war es ganz schlimm, da haben wir selbst Plakate gedruckt und in der Stadt ausgehängt." So dramatisch ist die Lage nicht mehr. Zwölf Ausbildungsplätze stehen zur Verfügung, 70 Auszubildende hat Landua begleitet. 90 Prozent der im Institut tätigen Feinwerkmechaniker wurden im Haus ausgebildet und viele zeigten bei Berufswettbewerben herausragende Leistungen. Sie wurden als Kammersieger, Landessieger oder gar Bundessieger ausgezeichnet.

Kreative Auszubildende gefragt

"Die Arbeit ist extrem vielseitig", erzählt Daniela Hösl, Auszubildende im dritten Lehrjahr. "Wir haben die Möglichkeit, selbst Ideen einzubringen." Denn in die Werkstatt kommen Physiker, die zwar eine genaue Vorstellung von ihrem Experiment, aber oft nur eine ungenaue Idee von den notwendigen Apparaturen mitbringen. "Wenn wir Glück haben, gibt es immerhin schon eine Zeichnung", meint Felzer. Dann wird gemeinsam getüftelt, wie sich der Versuchsaufbau realisieren lässt. "Das wird nie langweilig", sagt Hösl. "Mitdenken ist gefragt. Wir müssen kreativ sein." Die Eingliederung der Auszubildenden in die drei regulären Arbeitsteams ist Programm, oft geht es also um viel mehr als nur um bloße Übungsstücke.

Landua zeigt eine Arbeit: Mehrere Halterungen für optische Linsen und ähnliche Utensilien reihen sich auf einer Schiene. Durch feine Rädchen sind sie in jeder Richtung sehr fein zu justieren. Daneben stehen einfachere Arbeiten: dekorative Elemente, Dampfmaschinen, ein Modellhubschrauber.

Handarbeit ist immer noch wichtig

Der Ausbildungsleiter weiß genau, wie wichtig die neuen CNC-Maschinen sind. Doch zugleich betont er, dass sie nur für einen Teil der Ausbildung taugen. Denn wer hier beginnt, bekommt erst mal die Feile oder den Meißel in die Hand. "Bevor die Auszubildenden an die Maschinen dürfen, müssen Sie wissen: Wie ist der Werkstoff zu bearbeiten? In welchem Winkel müssen sie den Meißel ansetzen?" Im ersten Lehrjahr ist also viel Handarbeit angesagt. "Die körperliche Arbeit kann aber jeder bewältigen", meint Simone Delker, Auszubildende im zweiten Lehrjahr, "es geht halt ein bisschen in die Arme."

Später fordern die hochmodernen Geräte andere Qualitäten. Die CNC-Maschinen können per Computer gesteuert werden, also müssen die Auszubildenden auch Programme schreiben können.

"Wir brauchen sehr, sehr selbstständige Leute", sagt Felzer. "Wir haben zwar noch nicht ganz die Bekanntheit anderer Ausbildungsbetriebe, aber wer hierher kommt, staunt, wie gut wir ausgestattet sind, was für Maschinen wir haben." Und nicht nur das. "Von ehemaligen Auszubildenden hören wir immer wieder, dass sie sich sofort bewerben würden, wenn in unserer Werkstatt ein Platz frei wird." Felzer weiß auch, warum das so ist: "Bei uns können sie kreativ arbeiten. Das ist selten geworden."