Weiterbildung trifft auf digitale Medien

4. August 2017

Mit dem Studienschwerpunkt Lebenslanges Lernen und Medienbildung (LLLMB) hält das Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ein deutschlandweit einmaliges Angebot bereit: Hier werden Studierende darauf vorbereitet, medial unterstützte Weiterbildungsangebote für Unternehmen und Institutionen verschiedenster Art zu konzipieren. Prof. Dr. Heide von Felden und Prof. Dr. Stefan Aufenanger stellen das Wahlpflichtfach LLLMB vor.
 

"Unternehmen interessieren sich zunehmend für Pädagoginnen und Pädagogen, die sich im Bildungsmanagement auskennen, die wissen, wie Lernprozesse beschaffen sind, und die mit digitalen Medien umgehen können", sagt Prof. Dr. Heide von Felden von der Arbeitsgruppe Erwachsenenbildung am Institut für Erziehungswissenschaft der JGU. "Diese Kopplung von Kompetenzen ist für sie sehr attraktiv."

Genau diese Kopplung vermittelt der Studienschwerpunkt Lebenslanges Lernen und Medienbildung (LLLMB), für den sich zwei Arbeitsgruppen am Institut für Erziehungswissenschaft zusammengefunden haben. "In Deutschland gibt es keinen vergleichbaren Studiengang", betont Prof. Dr. Stefan Aufenanger von der Arbeitsgruppe Medienpädagogik.

Wandel der Lernkultur

Die Lernkultur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gründlich gewandelt. "Unter Lernen verstehen wir nicht mehr nur die kurzfristigen Prozesse", erklärt von Felden, "sondern auch informelles Lernen, Lernen durch Tätigkeiten, die wir als Hobby ausüben. Wir betrachten das Thema heute viel umfassender. Wir fragen unter anderem: Wie lernen Menschen aus Erfahrungen?“

Lernen endet nicht mit der Schule, weder räumlich noch zeitlich. Es ist ein immer fortlaufender Prozess, der viele Lebenssituationen und -stationen durchdringt. Ständiges Lernen und kontinuierliche Weiterbildung spielen gerade im Beruf eine immer größere Rolle und so richtet sich eben auch der Blick von Arbeitgebern zunehmend auf dieses Feld.

Zugleich verändert sich das Lernen durch die modernen Medien. Einerseits erschließt sich eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten: Begriffe wie E-Learning oder Blended Learning sind in aller Munde. Andererseits sind neue Kompetenzen nötig, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden, um ihre Chancen und Fallstricke zu erkennen.

Wissenschaft für die Praxis

"Das alles wollten wir zusammenbringen, weil sich damit ein wichtiges Berufsfeld für Pädagoginnen und Pädagogen eröffnet", erklärt Aufenanger. Arbeitgeber wollen digitale Medien in die Weiterbildung integrieren, suchen aber nach Orientierung, nach Fachkräften, die sich auskennen. "Unsere Studierenden gehen für ihre Abschlussarbeiten in die Unternehmen. Sie absolvieren Praktika bei mittelständischen oder auch großen Firmen wie Schott, Allianz oder Railion."  – "Die Studierenden gehen nicht nur in Unternehmen, sondern in verschiedenste Institutionen", ergänzt von Felden. "Eine unserer Studierenden schreibt ihre Masterarbeit in der Universitätsmedizin Mainz, wo sie ein Blended-Learning-Seminar gestaltet."

Ende 2016 lud das Institut für Erziehungswissenschaft mit Unterstützung des Zentrums für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Universität zur Tagung "Weiterbildung und digitale Medien. Bildung managen 4.0" auf den Gutenberg-Campus ein. Hier trafen Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen auf Studierende des Studienschwerpunkts LLLMB und Alumni erzählten von ihren beruflichen Erfahrungen.

"Unsere Absolventinnen und Absolventen berichteten, wie sie ihr Berufsfeld angegangen sind", so Aufenanger, "und unsere Studierende stellten ihre Arbeiten vor." Fachleute der IHK und der Allianz skizzierten, wie und wo digitale Medien in der Weiterbildung Verwendung finden. "Die Tagung bot nicht nur einen regen Austausch, sie bot auch die Chance, Netzwerke zu knüpfen."

Individualisiertes Lernen

"Es setzt sich erst langsam durch, wie nützlich es für Betriebe ist, mit Pädagoginnen und Pädagogen zu arbeiten", stellt von Felden fest. "Sie müssen nach und nach mit ihrer Arbeit und ihren Kompetenzen überzeugen. Einige Studierende berichten uns, dass es ihnen zum Beispiel leichter fällt, mit Kunden zu sprechen und zu verhandeln. Auch in diesem Bereich bringen sie Qualifikationen mit, die bei einem Betriebswirtschaftler vielleicht nicht so ausgeprägt sind."

Vor allem aber bringen sie ihr Know-how in die Weiterbildung ein. "E-Learning ist für viele Firmen sehr interessant", erzählt Aufenanger. "Es ermöglicht individualisiertes Lernen und kann auf die entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugeschnitten werden."  – "Manche glauben am Anfang, Geld durch E-Learning sparen zu können“, bemerkt von Felden, "aber das stellt sich ziemlich schnell als Irrtum heraus. Die Entwicklung von Materialien und der allgemeine Aufwand sind doch recht hoch." Dieser Aufwand rentiert sich jedoch, wenn das Projekt mit Sachverstand aufgesetzt wird.

"Dass unsere Studierenden sich im Bereich moderner Medien auskennen, ist für sie eine Art Türöffner", stellt von Felden heraus. "Die Firmen sind stark an gut umsetzbaren Konzepten interessiert." Zudem können die Studierenden, die Absolventinnen und Absolventen von LLLMB auch Grenzen aufzeigen: "Die persönliche pädagogische Beziehung ist aber nicht zu unterschätzen, E-Learning kann das nicht ersetzen." Hier kommt das Blended Learning ins Spiel, das beide Komponenten gewinnbringend verbindet.

Praxis für die Wissenschaft

Aufenanger und von Felden machen nicht nur ein Interesse seitens der Unternehmen an ihren Studierenden aus. "Umgekehrt interessieren sich auch die Studierenden sehr für diesen Bereich", sagt Aufenanger. "Das schlägt sich unter anderem in den Themen nieder, die sie für ihre Abschlussarbeiten wählen."

Die Absolventinnen und Absolventen von LLLMB haben durchweg hervorragende Chancen, schnell einen guten Job zu bekommen. "Wir erleben sogar viele Fälle, wo unsere Studierenden Probleme haben, genug Zeit fürs Studium zu finden, weil sie schon sehr stark in einem Unternehmen engagiert sind." Das freut Aufenanger durchaus, doch er stellt auch klar: "Es ist gut, dass die Studierenden so stark in die Praxis hineingehen, doch der wissenschaftliche Teil ist ebenfalls von größter Bedeutung. Sie schreiben bei uns eine hochkarätige wissenschaftliche Arbeit und wir sprechen eine ganze Reihe grundsätzlicher Themen an, die über den Horizont der Berufswelt hinausgehen. Uns geht es um Bereiche wie Medienanthropolgie oder um philosophische Fragen wie: Was bestimmt das Menschsein?"

Klar ist: Kein Bereich, sei es nun die Industrie oder der Dienstleistungssektor, seien es Behörden, Schulen oder Hochschulen, kommt um Weiterbildung oder Digitalisierung herum. Die Absolventinnen und Absolventen des Studienschwerpunkts LLLMB helfen auf dem Weg zur richtigen, maßgeschneiderten Strategie.