Per Computerspiel zur Meisterschaft

14. Mai 2018

Seit Ende 2017 sind eSports auch an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zu Hause. Studierende verschiedenster Fächer haben die Hochschulgruppe University eSports Mainz gegründet. Sie wollen ihren Teil dazu beitragen, Computerspiele als wettkampftaugliches Medium bekannt zu machen, und eine Community aufbauen, die das Leben auf dem Campus bereichert.
 

Hoch bezahlte Profis treffen sich zu Weltmeisterschaften und tragen ihre Wettkämpfe vor Zehntausenden von begeisterten Fans aus. Es geht um Preisgelder von einer Million US-Dollar und mehr. In den unterschiedlichen Disziplinen tummeln sich längst Leistungssportler, die vor allem im asiatischen Raum den Bekanntheitsgrad von Popstars erreichen. Auch in Deutschland hat sich über die Jahre eine rege Szene entwickelt. Millionen spielen mit. Für die einen ist es reiner Zeitvertreib, andere haben sich organisiert und ringen in Ligen um nationale und internationale Titel. Traditionsvereine wie der VfB Stuttgart oder Schalke 04 haben für sie extra Abteilungen eingerichtet.

Die eSports sind auf dem Vormarsch – auch an Universitäten. "Am 18. Dezember 2017 haben wir unsere eigene Hochschulgruppe gegründet", erzählt Stavros Strogilakis. "Nun können wir offiziell Teams gründen und an Wettkämpfen teilzunehmen." Mit University eSports Mainz wurde die JGU als 40. Universität in die Liga der University eSports Germany aufgenommen. "Wir zählen um die 20 Mitglieder", schätzt Jan Patrick Metzger, "aber ich denke, wenn wir erst bekannter sind, werden es schnell mehr." – "Bei uns ist jeder richtig, der eSports betreiben will", ergänzt Tim Weckfort. "Auch die Casual Player, die einfach Spaß am Hobby haben. Gleichzeitig wollen wir aber schon eine Leistungsklasse aufbauen."

Kommunikativer Mannschaftsport

Ihre Wettkämpfe tragen eSportler über Computerspiele aus. Sie messen sich in Counterstrike, einem actiongeladenen Ego-Shooter, spielen Hearthstone, ein digitales Kartenspiel, oder eine Online-Version von Pokémon. Weckfort, Metzger und Strogilakis widmen sich vor allem League of Legends, kurz LoL.

"Das ist ein Mannschaftsspiel, in dem zwei Fünfer-Teams gegeneinander antreten", erklärt Weckfort. Jeder Spieler wählt einen Fantasy-Charakter aus, den er mit speziellen Gegenständen und Waffen, den Items, bestückt. Dann versuchen die Teams, die Basis des jeweiligen Konkurrenten zu zerstören. Dabei bewegen sie sich durch eine Art Arena: Einige Verbindungswege führen zum Gegner, dazwischen liegt der Dschungel, schwer passierbares Gelände, das seine eigenen Herausforderungen birgt. LoL ist ein komplexer digitaler Kampfsport. "Die Spieler müssen reaktionsschnell sein und sich aufeinander abstimmen. Nicht jeder Charakter und nicht jedes Item ist für eine bestimmte Konstellation geeignet. Außerdem kommt regelmäßig neues Material hinzu, auch darauf müssen wir uns einstellen."

Weckfort kennt sich aus. Er begann schon in der Schule, Computerspiele ernsthafter zu betreiben. In der Folge kommentierte er als sogenannter Colour caster eSports-Partien: Er informierte die Online-Zuschauer oder bei Endspielen auch die Gäste im Saal über Hintergründe, Taktiken und vielerlei Nuancen des Spiels. Seit einigen Jahren trainiert er LoL-Teams."„Ich arbeite unter anderem mit einer österreichischen Mannschaft zusammen, die sich auf die Meisterschaft vorbereitet."

Leute kennenlernen

Natürlich wissen die drei, dass nicht jeder ihre Begeisterung für eSports und schon gar nicht für Online-Spiele teilt: Unter einem Computerspieler stellen sich viele einen pickeligen, vereinsamten Jungen vor, der sich im Keller hinter seiner Spielkonsole versteckt. Einen Versager, der keine Sozialkontakte pflegt, der in die virtuelle Welt flüchtet und dort womöglich zum gewalttätigen Psychopathen mutiert.

Metzger schüttelt den Kopf. "Bei LoL spielen wir im Team, also gehört der Austausch zwischen den Spielern fest dazu. Für mich ist der Wettkampfgedanke reizvoll, aber auch die Idee, dass sich über das Spiel Leute aus aller Welt kennenlernen. Unsere Hochschulgruppe gibt uns nun noch mal die Möglichkeit, mit mehr Menschen in Kontakt zu treten. Wir spielen nicht nur online, sondern treffen uns zum Stammtisch, unternehmen etwas oder reisen gemeinsam zu einem Wettkampf-Event."

"Gerade bei eSports spielt Gewalt eine entschieden geringere Rolle als sonst bei Computerspielen", meint Weckfort. "Es geht vor allem um Taktik, um Strategien, um den fairen Wettkampf." Strogilakis studiert Archäologie an der JGU, Weckfort Germanistik und Geschichte, Metzger Geografie. "Wir alle haben ein ganzes Bündel an Interessen. Wir sitzen nicht nur am Rechner. Ich selbst treibe in meiner Freizeit auch jede Menge Sport, Kendo und Tanzen", sagt Strogilakis.

Universitäten wie Karlsruhe oder Bielefeld schauen bereits auf eine gewisse eSports-Tradition zurück. "Dort sind um die 100 Spielerinnen und Spieler organisiert", weiß Weckfort. "Manche Hochschulen stellen sogar eigene Räumlichkeiten zur Verfügung."

Community gründen, Spieler fördern

Nun also tut sich auch in Mainz etwas: Jeder kann mitmachen bei University eSports Mainz. "Wenn ein Computerspiel gewünscht wird, das wir noch nicht im Programm haben, für das aber genug Interessenten da sind, dann bemühen wir uns, das einzurichten", meint Weckfort. Allzu viel Aufwand müssen Interessenten nicht betreiben. "Wir haben einen Spieltag in der Woche. Die Leute spielen abends von zu Hause aus. Bei LoL gibt es dann jeweils eine Hin- und eine Rückpartei, wobei eine Partie zwischen 20 und 60 Minuten dauert. Das reicht aber auch, danach ist man ganz schön geschafft."

Wer dann ernsthafter eSports betreiben will, wird in der Hochschulgruppe gefördert. "Die Produktionsfirmen einzelner Spiele unterstützen uns", sagt Weckfort. Besonders die Zusammenarbeit mit den Machern von LoL sei eng. "Das ermöglicht es uns, beispielsweise Teams kostenlos zu Meisterschaften reisen zu lassen. Bei den Wettkämpfen lernen sie dann Spielentwickler kennen, Kommentatoren und andere Player."

"Die Akzeptanz für Computerspiel ist gerade in Deutschland niedrig", meint Metzger. "Man stellt uns immer noch in eine sehr spezielle Ecke. Da müssen wir rauskommen. Ein Schritt wäre die offizielle Anerkennung: An einigen Universitäten ist eSport schon fest in den Hochschulsport eingegliedert." Mit der Gründung von University eSports Mainz ist ein erster Schritt getan. "Nun wollen wir eine neue Community für die Universität aufbauen. Wir wollen jeden erreichen, der Spaß an Computerspielen hat, und so einen großen Freundeskreis schaffen."