Hochkarätige Neuberufungen in den Mainzer Lebenswissenschaften

18. Mai 2018

Das Fach Biologie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch den Einzug molekularer Arbeitsmethoden in nahezu alle Teilbereiche stark gewandelt. Um dem Rechnung zu tragen, richtet die JGU ihre Biologie als zentralen Teil der Lebenswissenschaften in der Forschung neu aus –begünstigt durch einen Generationswechsel im Fachbereich und begleitet durch den Neubau von zwei hochmodernen Forschungsgebäuden.  

 

Nicht zuletzt mit finanzieller Unterstützung durch die Boehringer Ingelheim Stiftung, die die Universität in der Umsetzung der Neuausrichtung der Biologie mit einer Spende in Höhe insgesamt 50 Millionen Euro über zehn Jahre fördert, konnten bereits international herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Standort Mainz gewonnen werden.  Wir stellen drei dieser Forscherinnen und Forscher vor.

Prof. Dr. Peter Baumann

 

Prof. Dr. Edward Lemke

 

Dr. Marion Silies

Prof. Dr. Peter Baumann (Foto/© Stowers Institute for Medical Research)
(Foto/© Stowers Institute for Medical Research)

 

Prof. Dr. Edward Lemke (Foto: Bernd Eßling)
(Foto: Bernd Eßling)

 

Dr. Marion Silies (Foto/©: privat)
(Foto/©: privat)

Seit Oktober 2017 hat Prof. Dr. Peter Baumann die Professur für Molekulare Biologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne. Seit April 2018 ist er zudem Adjunct Director am Institut für Molekulare Biologie (IMB) sowie Fellow des Gutenberg Forschungskollegs.

Peter Baumann, Jahrgang 1969, ist einer der weltweit führenden Chromosomen-Biologen und wurde gerade mit dem höchstdotierten deutschen Forschungspreis, einer Alexander von Humboldt-Professur, ausgestattet mit der Preissumme von fünf Millionen Euro für fünf Jahre, ausgezeichnet. Vor seiner Rückkehr nach Deutschland war er Professor am University of Kansas Medical Center, Investigator am Howard Hughes Medical Institute (HHMI) und Investigator am Stowers Institute for Medical Research. Er beschäftigt sich insbesondere mit den verletzlichen Endstücken von Chromosomen, den sogenannten Telomeren, die durch das Enzym Telomerase geschützt werden. Ohne funktionsfähige Telomerase würden Chromosomen bei jeder Zellteilung gekürzt werden. Andererseits gilt eine hohe Aktivität des Enzyms als Ursache für die Wucherung von Tumoren. Baumann fand heraus, dass ein spezielles Gen den Schutz der Telomere gewährleistet und identifizierte er in Spalthefen die entscheidende RNA-Komponente der Telomerase. In Mainz will er diese Forschungen vertiefen und so möglicherweise eine Grundlage für klinische Studien gegen frühzeitige Zellalterung oder krankhaftes Wachstum schaffen. In einem zweiten Schwerpunkt forscht Baumann an Schienenechsen, die unter anderem in der Wüste von New Mexico vorkommen. Von einigen Arten dieser Reptilien gibt es nur Weibchen – die Nachkommen entstehen aus unbefruchteten Eizellen. Baumann geht der Frage nach, wie trotz der Eingeschlechtlichkeit die genetische Vielfalt dieser Arten erhalten bleibt.

Peter Baumann erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, etwa im Jahr 2003 den Pew Scholar in the Biomedical Sciences Award und 2009 den HHMI Early Career Scientist Award.

>>> Baumann Lab

 

Zum 1. Januar 2018 hat Prof. Dr. Edward Lemke am Fachbereich Biologie der JGU die Professur für synthetische Biophysik angetreten, ist zudem Adjunct Director am Institut für Molekulare Biologie sowie Fellow des Gutenberg Forschungskollegs (GFK).

Edward Lemke, Jahrgang 1978, beschäftigte sich als Postdoc am Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien mit Einzelmolekül-Fluoreszenztechniken und chemischer Biologie. In den letzten Jahren leitete er eine Emmy Noether-Forschungsgruppe am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und erhielt 2015 einen ERC Consolidator Grant. Heute ist Prof. Dr. Edward Lemke eine der Leitfiguren der Forschung zu intrinsisch ungeordneten Proteinen und ihrer Funktion in der Zelle. Lemke und seine Arbeitsgruppe wollen herausfinden, wie solche Proteine eine Barriere formen können, die den Zellkern schützt. Dabei geht es auch um die Frage, wie es beispielsweise HI- und Hepatitis-B-Viren gelingt, diesen Schutz zu umgehen, um eigenes Genmaterial einzuschleusen. Durch methodische Innovationen und die Kombination chemischer, biophysikalischer und zellbiologischer Expertise hat er bereits viele wichtige Beiträge zu diesem aufblühenden Forschungsfeld geleistet. Lemke wird das neue DFG-Schwerpunktprogramm "Molekulare Mechanismen funktioneller Phasenseparation" koordinieren, für das die Deutsche Forschungsgemeinschaft ab 2019 insgesamt 6 Millionen Euro bereitstellt. Als GFK-Fellow wird er mit seiner Arbeit zum Dunklen Proteom neue Wege für die interdisziplinäre und lebenswissenschaftliche Forschung in Mainz ebnen.

Edward Lemke ist unter anderem Preisträger des FEBS Anniversary Prize 2017, des mit 100.000 Euro dotierten Förderpreises der Chica und Heinz Schaller-Stiftung und des Young Investigator Award der International Society for Chemical Biology.

>>> Lemke Lab

 

Im März 2018 hat Dr. Marion Silies vom European Neuroscience Institute in Göttingen den Ruf auf die W3-Professur für Neuroentwicklungsbiologie im Fachbereich Biologie der JGU angenommen. Dr. Marion Silies wird zum 1. Januar 2019 nach Mainz wechseln.

Marion Silies, Jahrgang 1980, hat sich bereits als Postdoc an der renommierten Stanford University mit dem Bewegungssehen der Taufliege Drosophila beschäftigt und leitet seit 2014 die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe "Die zelluläre und molekulare Grundlage des Bewegungssehens" an der Universität Göttingen. Ihr wissenschaftliches Interesse gilt der Frage, wie neuronale Netzwerke kritische Rechenoperationen ausführen und wie sensorische Systeme diese Berechnungen nutzen, um Informationen aus der Umgebung zu extrahieren und Verhalten zu steuern. Dazu verwendet Silies unter anderem einen von ihr etablierten und inzwischen von zahlreichen Laboren weltweit genutzten genetischen Werkzeugkasten, um die neuronale Funktion in spezifischen Zellen zu manipulieren und dadurch die neuronalen Netzwerke des Bewegungssehens zu identifizieren. Außerdem konnte sie erstmalig die Bedeutung von Weitfeld-Neuronen für das Bewegungssehen belegen. Silies hat auch gezeigt, dass die modulare Kombination verschiedener Eingangskanäle effizient vielfältige Verhaltensweisen auch mit einem sehr limitierten Set von Neuronen generieren kann – möglicherweise ein generelles Prinzip sensorischer Systeme. Schließlich zeigen ihre Arbeiten, dass die neuronalen Mechanismen für Bewegungsdetektion im Auge von Fliege und Wirbeltier erstaunlich ähnlich sind.

Für ihre Arbeit wurde Marion Silies mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem ERC Starting Grant für ihr Projekt "MicroCyFly" und dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2017.

>>> Silies Lab