LOB für besseres Studieren

23. August 2018

"Lehren, Organisieren, Beraten", kurz LOB, ist das zentrale Projekt, mit dem die Studienbedingungen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) kontinuierlich verbessert werden. Auf rund neun Jahre ist die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Initiative bisher angelegt. Doch nicht nur das LOB-Team hofft auf eine Verlängerung. Schließlich haben sich im Rahmen dieses Projekts an der JGU Strukturen etabliert, die für eine attraktive Universität auch künftig unentbehrlich sind.
 

"LOB ist unser größtes Projekt im Bereich von Studium und Lehre", sagt Dr. Bernhard Einig. "Es läuft über einen langen Zeitraum, es ist flächendeckend und es ist nachhaltig. Deswegen können wir mit LOB ungeheuer viel bewirken. Am Ende kommt eine doch deutlich andere Universität heraus." Der sonst eher ruhig und sachlich wirkende Leiter der Abteilung Studium und Lehre an der JGU klingt beinahe euphorisch, wenn er über "Lehren, Organisieren, Beraten – Gelingensbedingungen von Bologna" redet. "Mit diesem Projekt haben wir bereits auf vielen Ebenen etwas bewegt", bekräftigt er. "Es ist ein Riesenerfolg." Davon will er gemeinsam mit Birgit Leinen berichten.

"Wir leiten das LOB-Projekt zwar gemeinsam, aber meine Kollegin ist sehr viel näher dran an den einzelnen Teilprojekten", so Einig. "Sie kümmert sich um das operative Geschäft." Tatsächlich ergänzen sich die beiden hervorragend im Gespräch. Sie spielen sich die Bälle zu und führen rasant durch die komplexe Welt des LOB-Projekts, mit dem im Kern eines erreicht werden soll: "Wir stärken die Rahmenbedingungen, die ganz wesentlich zum Gelingen des Studiums beitragen."

22 Millionen Euro, 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Im Jahr 2011 rief das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den "Qualitätspakt Lehre" ins Leben. Alle deutschen Hochschulen konnten sich im Rahmen dieses insgesamt 2 Milliarden Euro umfassenden Pakts um eine Förderung von Projekten bewerben. Die JGU ist bereits seit 2012 dabei. "Die erste Phase lief bis 2016, danach wurde das Programm bis 2020 verlängert", erklärt Einig. "In der ersten Phase wurden 186 Hochschulen gefördert und wir waren mit einem der umfassendsten Projekte beteiligt." – "Im Antrag zur zweiten Phase mussten wir dann zeigen, was wir erreicht haben", fährt Leinen fort. "Wir mussten außerdem sehr fundiert erläutern, wie wir das Erreichte fortführen und durch neue Aspekte ergänzen wollten." Dies gelang nur noch 156 Hochschulen. Wieder war die JGU mit von der Partie.

Das BMBF unterstützt das insgesamt fast neun Jahre laufende LOB-Projekt mit 22 Millionen Euro. 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind involviert, 28 Einzelprojekte sind an der JGU entstanden. Diese Zahlen lassen die wichtige Rolle, die LOB in der Verbesserung der Studienbedingungen spielt, zumindest erahnen. Noch deutlicher wird es, wenn Leinen und Einig ins Detail gehen.

Die drei Bereiche, die LOB abdeckt, stecken bereits im Projekttitel: Lehren, Organisieren, Beraten. "Wir haben umfassende Konzepte ausgearbeitet, wie wir die Studienbedingungen verbessern können", sagt Einig. "Die Grundidee war, dass wir einen Rahmen bieten, den die einzelnen Fächer dann entsprechend ihrer konkreten Vorstellungen und Anforderungen verschieden ausfüllen können. Entscheidende Voraussetzung und zentrale Bedingung dafür, dass das Projekt funktioniert, ist es, die jeweiligen Fachkulturen ins Zentrum zu stellen und niemandem etwas überzustülpen. Das Know-how und die Verantwortung für das Gelingen von Lehre und Studium liegen letztlich beide vor Ort, in den Fächern."

Als Beispiel dafür greift Leinen Angebote aus dem Bereich Beraten heraus, die sich vor allem an Studienanfängerinnen und -anfänger wenden. "Im Fachbereich Physik, Mathematik und Informatik hat sich eine Lernwerkstatt herausgebildet, die Studierenden den Einstieg ins Studium erleichtert." Erstsemester erhalten beim Wiederholen von Lerninhalten und dem Bearbeiten der für diese Fächer typischen Aufgabenblätter Unterstützung von älteren Studierenden. Rund 100 Studierende nehmen das Angebot täglich von montags bis donnerstags wahr, aus Platzgründen findet die Lernwerkstatt mittlerweile in der Zentralmensa statt. Ein anderes Beispiel ist PHILIS, das in den Geisteswissenschaften entstanden ist. "Dort wird unter anderem ein Schwerpunkt aufs Schreiben als eine der Kernkompetenzen des Studiums gelegt. Auch hier treffen die attraktiven Angebote auf hohe Nachfrage bei den Studierenden." Andere Fächer wiederum unterstützen die Neulinge erfolgreich über Mentoring- oder Tutoringprogramme. Insgesamt erreichen die LOB-Aktivitäten für die Studieneingangsphase inzwischen mehr als ein Drittel aller Studienanfängerinnen und -anfänger an der JGU, Tendenz steigend.

Professionalisierung auf allen Ebenen

"90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen: Das ist toll!", fasst Einig das akribisch erfasste Feedback zusammen. "Die JGU hat mit LOB auch deswegen solch einen Erfolg, weil wir Qualifizierungsangebote für Tutorinnen und Tutoren ebenso wie nachhaltige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowohl für die LOB- als auch für weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Studienverwaltung in den Fächern und Fachbereichen schaffen. Wir sorgen dafür, dass sie alle bestmöglich auf ihre Aufgaben und Tätigkeiten vorbereitet sind. Das ist übrigens ein zentraler Punkt, der sich in sämtlichen LOB-Projekten findet: Wir wollen eine Professionalisierung auf allen Ebenen erreichen."

Besonders deutlich wird dies im Fall der Studienfachberatung, die jedes Fach anbietet. "Dort haben wir sehr häufig die Situation, dass immer die jüngsten Kolleginnen und Kollegen diese Aufgabe übernehmen", erzählt Einig. "Sie arbeiten sich mit viel Engagement ein, merken aber bald, wie viel Zeit das beansprucht, die ihnen dann für ihre wissenschaftliche Weiterqualifizierung fehlt. Obwohl ihnen die Aufgabe Spaß macht und sie die Sinnhaftigkeit der Beratung sehen, überlassen auch sie irgendwann doch jüngeren Kolleginnen und Kollegen das Feld – der Kreislauf beginnt von vorn. Diesen 'Regelkreis' können wir zwar nicht unterbrechen – hierzu wären vor allem auch zeitlich unbefristete Funktionsstellen für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich –, aber wir bieten im Rahmen von LOB Weiterbildungsmöglichkeiten, in denen sie in der Entwicklung einer effizienten Aufgabenerfüllung unterstützt werden. Sie erwerben professionelle Beratungskompetenzen und können sogar ein Zertifikat erlangen, das sie eventuell sehr gut auch an anderer Stelle verwenden können. Insgesamt hatten wir bisher rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer."

Das Beratungskonzept selbst ist klientenzentriert und ressourcenorientiert. Birgit Leinen erläutert, was damit gemeint ist: "Studierende sollen im Gespräch selbst herausfinden, wo ihre persönlichen Stärken und Möglichkeiten liegen, was sie überhaupt studieren, was sie erreichen wollen und können. Natürlich begleiten wir sie nicht nur in der Studieneingangsphase", stellt sie dabei klar. "Auch während des Studiums und vor allem in der Übergangsphase zum Beruf halten wir spezifische Angebote bereit."

Im Bereich Organisieren lag in der ersten Phase ein Hauptaugenmerk auf dem Ausbau und der Professionalisierung der Studienbüros. Einen Schwerpunkt in der zweiten Phase bildet die Internationalisierung. "Zahlreiche Fächer haben innerhalb ihrer Fachbereiche Servicestellen für das Auslandsmanagement eingerichtet", erzählt Leinen. "Diese beraten und unterstützen Studierende, die ins Ausland gehen wollen, aber auch die, die an die Universität kommen. In der zweiten Phase von LOB wird dieses dezentrale Angebot durch die Gutenberg International School (GIS) unterstützt, die die Abteilung Internationales derzeit aufbaut." In der GIS werden die englischsprachigen Unterrichtsangebote der JGU gebündelt und nach Möglichkeit auch durch bedarfsgerechte weitere Angebote ergänzt. "Damit wird die GIS, die auch eine Reihe von weiteren Verwaltungsaufgaben für Austauschstudierende übernehmen wird, im Laufe der Zeit zu einem wichtigen zentralen Anlaufpunkt für ausländische Studierende und ergänzt damit sinnvoll das dezentrale Engagement der Fächer", betont Einig zuversichtlich. "Auf lange Sicht wird die JGU dadurch im Bereich der Internationalisierung einen deutlichen Schritt vorwärts machen können", ergänzt Leinen.

Datenschatz heben

"Ein zweites wichtiges Projekt im Bereich Organisieren ist das Studienmonitoring und -reporting", meint Einig. Mit CampusNet Reporting entstand in der ersten Phase ein LOB-Teilprojekt, das sich der Erhebung und Auswertung studienbezogener Daten widmet. "Die Universität erkennt inzwischen, welch wertvoller Schatz mit diesen Daten vorliegt. Die Fächer können damit eine Fülle von Fragen beantworten, etwa, wie die Studierenden in den einzelnen Studiengänge ihr Studium typischerweise gestalten, wie viele und an welchen Stellen es gehäuft Studienhindernisse oder gar Studienabbrüche gibt oder welche Lehrveranstaltungen schlecht besucht werden, welche stark nachgefragt sind. Daneben können aber auch individuelle Studienverläufe verfolgt und dementsprechend geeignete Maßnahmen zur Unterstützung entwickelt werden."

"Die Fächer können nun jemanden, der ganz offensichtlich ein Problem mit seinem Studium hat, frühzeitig und gezielt zu einem Beratungsgespräch einladen", erläutert Leinen. "Dort fragt man gemeinsam: Woran könnte es liegen? Unser Credo in diesem Projekt ist, dass wir die Studierenden auf ihrem Weg begleiten, damit sie von sich aus erkennen, was sie wollen, was sie können – wobei das alles natürlich freiwillige Angebote sind."

In LOB verzahnen sich zentrale mit dezentralen Angeboten und auch die einzelnen Teilbereiche greifen immer wieder eng ineinander. "Unsere Teilprojekte durchdringen sich gegenseitig", sagt Einig, "nur so kann es funktionieren."

Das wird zum Beispiel beim Thema Schreiben deutlich. Hier arbeiten die Projekte in den Fachbereichen mit der zentralen Schreibwerkstatt zusammen, um Tutorinnen und Tutoren zu schulen. Die Schreibwerkstatt unterstützt aber auch Dozierende, damit sie in ihren Lehrveranstaltungen wissenschaftliches Schreiben besser vermitteln können. Damit ist der dritte große Bereich, der sich der Lehre widmet, angesprochen. Er hält eine ganze Reihe von Angeboten bereit. Weiterbildungskurse zur Hochschuldidaktik stehen ebenso auf dem Programm wie kollegiales Coaching, bei dem Dozentinnen und Dozenten gegenseitig ihre Lehrveranstaltungen besuchen und Feedback geben. Aber auch die Beschäftigung mit den Besonderheiten von E-Klausuren oder die Entwicklung neuer Prüfungsformate sind wichtige Themen.

LOB ist ein Gemeinschaftsprodukt, an dem viele mitwirken. Birgit Leinen betont: "Der Erfolg von LOB wäre ohne das hohe Engagement, das Wissen und die Kreativität der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter nicht möglich." Und Dr. Bernhard Einig ergänzt: "Ohne die Unterstützung der Fachbereiche und zentralen Einrichtungen wären wir nicht da, wo wir heute stehen."

Hoffen auf dritte Phase

LOB spannt sich wie ein Netz über die Universität. Das Projekt befasst sich mit zentralen Rahmenbedingungen, die ein gutes und erfolgreiches Studium ermöglichen. Was aber passiert, wenn 2020 die zweite Phase ausläuft? Verschwindet LOB?

"Im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung steht, dass man den Hochschulpakt sowie den Qualitätspakt Lehre fortführen will", berichtet Einig. "Wir sind also gespannt. All unsere Teilprojekte sind auf Nachhaltigkeit angelegt. Es sind Dinge entstanden, die eigentlich jede Universität braucht, wenn sie effektiv und attraktiv sein will." – "In einer dritten Phase würden wir uns noch mehr der Heterogenität der Studierenden und der Flexibilisierung des Studiums widmen", so Leinen. "Dort liegen die Herausforderungen der Zukunft." Und mit LOB III, da sind sich die beiden einig, ließen sich solche Herausforderungen erfolgreich meistern.