Innovative Idee spart viel Arbeit und Geld

29. September 2018

An sich ist es eine simple Idee, aber die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) spart damit einen sechsstelligen Betrag: Als die Nachrüstung der in die Jahre gekommenen Digestorien im Neubau Chemie anstand, entwickelte Guido Silz, Referatsleiter in der Abteilung Mess- und Regeltechnik, ein eigenes preiswertes Steuerungspanel. Dieses ist entschieden besser auf die Bedürfnisse in Lehre und Forschung zugeschnitten als die handelsübliche Massenware.
 

Die zahlreichen Arbeitsnischen sind der Dreh- und Angelpunkt in jedem Chemielabor. Hier finden alle Experimente statt. Der kleine Bereich lässt genug Platz zum bequemen Agieren an verschiedensten Aufbauten und mit unterschiedlichsten Substanzen. Eine absenkbare Glasscheibe schützt dabei Studierende wie Lehrende und ein Mechanismus saugt die chemikaliengeschwängerte Luft ab.

"Das ist im Prinzip nichts anderes als eine Dunstabzugshaube, wie wir sie alle aus der Küche kennen“, erklärt Guido Silz. Er leitet in der Abteilung Technik der JGU das Referat Gebäudeleittechnik & Mess- und Regeltechnik. "Hier im Neubau Chemie haben wir 600 solcher Digestorien." Jeder dieser Arbeitsbereiche wird über ein kleines Panel an der Seite gesteuert: Ein grüner Knopf schaltet den Abzug aus, ein roter sorgt bei möglichen Störungen für einen Neustart der Anlage. So war es zumindest ursprünglich.

Neu, kompliziert – aber nicht besser

Der Neubau Chemie stammt aus dem Jahr 1995, ganz so neu also ist er mittlerweile nicht mehr. "Auch die Technik ist in die Jahre gekommen", sagt Silz. An den Digestorien geben die alten Steuerelemente nach und nach den Geist auf. Daher beschloss Silz, sie alle zu ersetzen. Selbstverständlich hielt die Firma, die damals die Abzugshauben lieferte, einen hochmodernen Ersatz parat.

Silz zeigt ein frisch eingebautes Einzelstück mit einer Reihe unauffälliger grauer Tasten. "Wir haben unsere Probleme mit diesen neuen Komponenten. Sie passen nicht in die Aussparungen der alten Panels, der Einbau ist entsprechend aufwendig. Vor allem aber enthalten sie digitale Bausteine, die für unsere Zwecke völlig überflüssig sind." Das macht die Panels teuer: Der Einzelpreis liegt bei rund 1.000 Euro. "Einer meiner Mitarbeiter gab außerdem zu bedenken, dass die Lebensdauer nicht allzu hoch ist. Wegen ihrer vielen Plastikteile halten sie vielleicht zwei, drei Jahre."

Also machte sich der Mess- und Regeltechniker daran, ein eigenes Modell zu konzipieren: ein Steuerelement, das genau an die Stelle der alten Versionen passt, eines, das sein Team in Minuten auswechseln kann und das keinen überflüssigen Schnickschnack bietet – dafür aber wieder die beiden bekannten Knöpfe.

JGU-Prämie für gute Sparideen

Silz präsentierte seinen Verbesserungsvorschlag, der nun von einem Sachverständigen der Technik geprüft wurde. Das Vorschlagswesen der JGU stimmte der Durchführung zu, die bereits im Vorfeld beim Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) als Bauunterhaltsmaßnahme finanziell bewilligt worden war. Der Projektleiter hatte eine Firma gefunden, die das Panel für 300 Euro herstellt.

"Ich musste alles so erklären, dass es auch Laien verstehen, die keine Ahnung davon haben. Das fiel mir gar nicht leicht", meint Silz lächelnd. Doch offensichtlich gelang es ihm gut. Alle zeigten sich überzeugt und die Kanzlerin der JGU, Dr. Waltraud Kreutz-Gers, zuständig für den Finanzetat der Universität, war begeistert.

Ein wesentlicher Anreiz für das Einbringen von Verbesserungsvorschlägen ist bereits seit Jahrzehnten festgeschrieben: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die der JGU mit einer Idee sparen helfen, erhalten zehn Prozent der eingesparten Summe, maximal 5.000 Euro. Guido Silz ist hierbei erst die dritte Person überhaupt, die mit Blick auf die eingesparten Mittel die Höchstprämie erhält. Darüber hinaus wird die JGU bei Interesse andere Hochschulen bei der Umsetzung einer entsprechenden Lösung unterstützen.

Komplexe Gebäudeleittechnik

Silz arbeitet seit 23 Jahren für die JGU. "Ich habe am 1. Januar 1995 angefangen." Just in dem Jahr, als der Neubau Chemie entstand. Sein Spezialgebiet, die Gebäudeleittechnik, gab es damals noch gar nicht auf dem Campus. "Das ging erst im Jahr 2000 so richtig los." Ein zentrales System entstand, mit dem sich vieles regulieren und überwachen lässt: ob Belüftung, Beleuchtung, Heizung oder eben Labortechnik wie Digestorien. "Ein wesentliches Motiv für solch eine Technik ist der Energieverbrauch. Den können wir darüber gut kontrollieren und regulieren."

Das zuständige Team bestand zu Beginn aus vier Mitarbeitern, mittlerweile ist es auf sieben angewachsen. Silz und Co. sind für die Gebäudeleittechnik auf dem gesamten Campus verantwortlich. Das umfasst so komplexe Einrichtungen wie den JGU-eigenen TRIGA-Reaktor und den Teilchenbeschleuniger MAMI. Hinzu kommen die Gebäude der Universitätsmedizin auf dem Campus. "Die Technik wird immer anspruchsvoller und es entstehen immer neue Gebäude: das Helmholtz-Institut zum Beispiel oder der Neubau Biologie. Und auch die Hochschule Mainz hat angefragt, ob wir das für sie übernehmen könnten."

Das Referat Gebäudeleittechnik & Mess- und Regeltechnik ist an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr in Bereitschaft. Es gilt, 72.000 Datenpunkte im Auge zu behalten und zudem auf jeden Anruf schnell zu reagieren: Ist ein Hörsaal zu sehr beheizt? Bleibt ein Fahrstuhl stecken? Gibt eine Notlampe in irgendeinem Flur den Geist auf? Das Team der Abteilung Technik kümmert sich darum.

Motiviert für neue Projekte

Dass sein Steuerungselement für die Digestorien auf solch ein positives Echo gestoßen ist, freut Silz. "Ich bin hochmotiviert und habe schon neue Ideen", sagt er. Wieder geht es um den Neubau Chemie.

"Die alte Lüftung pumpt im Hochsommer heiße Außenluft ins Gebäude. Das Ganze läuft ohne Kühlung und egal, ob die Fenster geöffnet sind oder nicht." Das will er ändern. "Ich habe ausgerechnet, dass wir nach einer entsprechenden Optimierung mit der eingesparten Summe sogar eine Klimaanlage für den gesamten Bau finanzieren könnten." Im Moment wird dieser Vorschlag noch auf seine Machbarkeit geprüft, aber Silz ist optimistisch. "Oft sind es diese einfachen Einfälle, die am meisten bringen."