Gerold Krause-Junk beleuchtet die Eurokrise

17. April 2013

Der 14. Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur widmet sich dem Thema "Die Europäische Währungsunion – Erwartungen, Erfahrungen, Perspektiven". An zehn Abenden wird der Hamburger Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Gerold Krause-Junk im Sommersemester 2013 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zu Gast sein, um verschiedenste Aspekte rund um Banken-, Schulden- oder Eurokrise zu erläutern und zu diskutieren.
 

Den feierlichen Empfang bei Oberbürgermeister Michael Ebling im Mainzer Rathaus hat der frischgebackene Träger der 14. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur überstanden. Auch das traditionelle Fundraising Dinner, bei dem Ex-Finanzminister Theo Waigel die Laudatio auf ihn hielt, ist Geschichte. Nun steht der diesjährige Stiftungsprofessor Prof. Dr. Gerold Krause-Junk im größten Hörsaal der JGU, um seine Vorlesungsreihe "Die Europäische Währungsunion – Erwartungen, Erfahrungen, Perspektiven" zu beginnen.

"Ich hatte einen ziemlichen Bammel vor dieser Aufgabe", gibt der emeritierte Professor für internationale Finanzwirtschaft zu. "Ich war mir nicht sicher, ob ich den Erwartungen gerecht werden würde." Dann feixt er angesichts der hinter ihm liegenden hochoffiziellen Empfänge: "Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich schon einen Großteil meiner Verpflichtungen erfüllt habe."

Ein Geschenk an die JGU

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur ist ein wichtiger Termin im Kalender der Universität. Im Jahr 2000 wurde diese Stiftungsprofessur vom Verein der Freunde der Universität Mainz e.V. über eine Stiftung ins Leben gerufen und Prof. Dr. Andreas Cesana machte sie als Vorsitzender der Stiftung zu einer viel beachteten Marke. Er holte unter anderem den Kulturhistoriker Fritz Stern, den Soziobiologen Bert Hölldobler, den einstigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Karl Kardinal Lehmann an die JGU.

Die Stiftungsprofessoren locken mit ihren aktuellen und immer auch wissenschaftlich brisanten Themen nicht nur Studierende, sondern stets auch Neugierige aus der Stadt und der Region in den Hörsaal, denn die Vorträge sind öffentlich. "Die Stiftungsprofessur ist ein Geschenk der Freunde der Universität Mainz an unsere Hochschule", betont Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch.

Im Sommersemester 2013 ist also ein renommierter Ökonom eingeladen, sich mit der Währungsunion und mit der Finanz-, Banken-, Staatsschulden- und Euro-Krise zu befassen. "Was ist die Ursache der Krise? Wie ist sie ausgebrochen? Welche Möglichkeiten haben wir kurzfristig, welche langfristig?" Das sind die Fragen, mit denen sich Prof. Dr. Gerold Krause-Junk an zehn Abenden beschäftigen wird.

Keine Vorhersagen, eher Erklärungen

"Ich möchte dabei nicht so gern politische Argumente anführen", kündigt der Stiftungsprofessor seinen Zuhörern im Hörsaal an. "Ich bin Ökonom und versuche, die ökonomischen Gründe zu erläutern." Zuvor äußerte er sich bereits in einem Gespräch im kleineren Kreis über seine Rolle: "Ich selbst – wenn ich das ein bisschen vorlaut sagen kann – werde mich sehr schwer tun, gewisse Vorhersagen zu tätigen. Ich werde eher auf das Für und Wider gewisser Maßnahmen eingehen."

Das ist ganz im Sinne der Stifter dieser Professur. "In Zeiten, in denen der Euro sehr stark in der Kritik steht, tun seriöse, fundierte, wissenschaftlich unterlegte Informationen wirklich not", so Peter Radermacher, Vorsitzender der Vereinigung der Freunde der Universität Mainz e.V. Und Cesana begrüßt den neuen Stiftungsprofessor als "Wissenschaftler, der seine Analysen neutral und unparteiisch durchführt." Er fügt hinzu: "Angesichts der Krise gibt es eine kaum übersehbare Liste von Maßnahmen. Das ist wenig hilfreich. Was wir brauchen, sind integre Persönlichkeiten mit fachlicher Kompetenz."

Kompetenz beweist Krause-Junk seit Jahrzehnten im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium der Finanzen. "Ich habe es immer als großes Glück empfunden, so nah an der Politik zu sein", meint er. "Das ist ja das, worunter wir Wissenschaftler am meisten leiden: dass wir Modelle schustern, aber nicht wissen, wo es hingeht."

Binnenmarkt braucht Währungsunion

Krause-Junks erster Abend an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sollte sich vor allem um einen Aspekt drehen: "Warum die Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion vernünftig war" – so das Thema seines Eröffnungsvortrags.

"Das ist die Überzeugung der Väter der Währungsunion: Ein Binnenmarkt bedarf einer Währungsunion." Und die zentrale These, die hinter der Idee eines Binnenmarkts steht, ist schnell formuliert: "Was am Wettbewerb gut ist, wird erst recht gut, wenn viele daran beteiligt sind."

Also müssen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, die diesen Wettbewerb beeinträchtigen könnten. Unterschiedliche Währungen bergen gleich ein ganzes Paket an solchen Hindernissen: Es fehlt an Transparenz, die Geldwechselei kommt teuer zu stehen und Kursveränderungen können Investitionen über Ländergrenzen hinweg zum Vabanquespiel machen.

Von Gewinnern und Verlierern

Die Einführung des Euro brachte da nicht nur EU-intern Besserung. "Die D-Mark schwankte auch im Verhältnis zum Dollar sehr stark", erinnert der Stiftungsprofessor. Nun sei sie ein Schwergewicht im Verhältnis zum US-Dollar.

"Ich bin mir schon auch der Fallstricke bewusst", sagt Krause-Junk mit Blick auf den entstandenen Binnenmarkt. "Es gibt Gewinner und Verlierer. Damit aber eine Volkswirtschaft gewinnt, müssen die Vorteile der Öffnung gerecht verteilt werden."

Eingangs hatte er bereits gewarnt: "Ich muss ein wenig bei Adam und Eva anfangen." Dieses Zurückgreifen auf Grundlegendes prägte denn auch seine erste Vorlesung. An den nächsten Abenden wird dann mehr Zeit für genauere Blicke auf die Währungsunion sein.

Vier prominente Kollegen eingeladen

Dafür hat sich der Stiftungsprofessor noch vier prominente Kollegen eingeladen: Prof. Dr. Kai A. Konrad, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen, wird kommen. "Ich habe ihm die Rolle zugedacht, die kritische Position einzunehmen." Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing, einst erster Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, ist der nächste Gast. "Ich hoffe, dass die Studierenden und anderen Gäste dieser Vorlesung ihn ein bisschen zwiebeln in Hinsicht auf seine Position zur Europäischen Zentralbank." Mit Prof. Dr. Peter Bofinger erwartet Krause-Junk auch einen der Wirtschaftsweisen, ein Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. "Er ist einer der Ersten, die für Eurobonds waren." Und letztlich gibt Prof. Dr. Rolf Peffekoven noch ein Heimspiel: Der ehemalige Direktor des Instituts für Finanzwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz war bis 2001 ebenfalls Mitglied der Wirtschaftsweisen. Er wird über "Deutsch-deutsche Währungsunion: Modell für Europa?" sprechen.

Das Programm der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur verspricht also einiges. Nun muss sich in den nächsten Wochen herausstellen, ob die aktuelle Vorlesungsreihe die hohen Erwartungen der interessierten Zuhörer erfüllen kann. Bisher ist das jedoch allen Stiftungsprofessoren hervorragend gelungen.