Was das Wasser alles kann

10. Juni 2013

Hunderte von Besuchern kamen zum Familien- und KinderUni-Mitmachtag in den Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Städtische und universitäre Einrichtungen luden zum Entdecken und Experimentieren rund um das Thema "Wasser für Mensch und Natur".
 

Die Erde rollt über den Rasen des Botanischen Gartens. Der aufblasbare Globus mit seinen zwei Metern Durchmesser beeindruckt. "Wir können damit gut sichtbar machen, wie groß die Fläche ist, die auf unserer Erdkugel von Wasser bedeckt wird", erklärt Dr. Susanne Horn vom Institut für Geowissenschaften der JGU. Sie dreht die Kugel so, dass links Australien aus dem Blick schwindet und rechts Amerika noch hinterm Horizont verborgen bleibt. Alles ist nun blau, nur ein paar winzige Flecken stehen für Inseln.

Dann deutet die Geowissenschaftlerin auf einen kleinen blauen Eimer im Gras. Gerade mal fünf Liter passen da hinein. "Würde die Erde tatsächlich zwei Meter durchmessen, wäre die Menge im Eimer ihr gesamtes Wasser." Das wertvolle Nass würde einen dünnen Film bilden, der nur an wenigen Stellen mehr als einen Millimeter dick wäre. Ein Hauch von Feuchtigkeit für die Welt.

Unter dem Titel "Wasser für Mensch und Natur" hatten universitäre und städtische Institutionen am vergangenen Sonntag in den Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz geladen. Wasser gab es noch am Morgen reichlich: Gewitter entluden sich über Mainz. Aber pünktlich zur Eröffnung des 6. Familien- und KinderUni-Mitmachtags riss die Wolkendecke auf.

Stadt und Uni Hand in Hand

"Der heutige Vormittag war ein thematisch sehr passendes Intro zu unserem Thementag“, sagt Dr. Christa Welschof, Leiterin des Arbeitskreises Jugend und Wissenschaft, unter dessen Schirm sich 20 Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen der Landeshauptstadt zusammengeschlossen haben. Acht von ihnen, darunter das Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Umweltamt und das Institut für Geowissenschaften, beleuchten an ihren Ständen verschiedenste Aspekte rund ums Wasser.

Zwar wendet sich der Familientag besonders an das junge Publikum, also an den potenziellen Forschernachwuchs. Doch zur Eröffnung hatten sich auch Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der JGU, und der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling eingefunden. Im Schatten des Riesenglobus lobten sie die Kooperation von Stadt und Universität. "Das ist einmal mehr eine schöne Zusammenarbeit", freute sich Krausch – und Ebling ergänzte: "So eine Veranstaltung vergegenwärtigt uns, wie viele Institutionen in der Region zum Thema Wasser unterwegs sind."

Unterwegs war auch der Globus: Etwas aus der Spur geraten, rollte die Erde in Richtung Oberbürgermeister und Präsident. "Bitte etwas mehr Respekt", mahnte Ebling feixend in Richtung Weltkugel und trat angesichts dieser globalen Herausforderung doch einen Schritt zurück.

Rheinland-Pfalz lag unterm Meer

Derweil wanderten die kleinen Gäste längst von Stand zu Stand. Beim Umweltamt konnten sie selbst Papier schöpfen und das Naturhistorische Museum entführte sie auf eine Expedition 400 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit. Damals war Rheinland-Pfalz noch von einem Meer bedeckt.

Dr. Kerstin Grimm präsentierte Fossilien aus dieser Zeit, in Schiefer verewigte Relikte, die nun in Kinderhand kommen: Mit Wachsmalstiften und Papier ausgerüstet, dürfen die jungen Besucher sich einen Abrieb von Trilobiten, Schlangensternen und Seelilien machen. "Die Seelilie ist ein Tier, obwohl wir Lilie dazu sagen", erklärt Grimm einem Mädchen, das gerade ein Blatt über dem Fossil platziert und sich auf die Arbeit mit der Wachsmalkreide konzentriert. "Das Bild kommt zu Hause über mein Bett", sagt sie stolz lächelnd.

Der sechsjährige Sören darf Eis in ein Reagenzglas füllen. "Das hältst du jetzt über die Flamme hier", instruiert Annabel Pauly vom NaT-Lab für Schülerinnen und Schüler an der JGU. Sören schaut, wie das Eis schmilzt und das flüssige Nass zu brodeln beginnt. "Wasser gibt es in drei Formen", erklärt Pauly. "Wir haben festes Eis und wir haben flüssiges Wasser und noch den Dampf. Das kennt ihr, wenn ihr zu Hause Nudeln kocht und die Küchenfensterscheibe beschlägt." Die Studentin holt Luft: "Aber nun wollt ihr sicher wissen, warum da so ist." – "Nö", meint Sören und spaziert davon. Zurück bleibt die sprachlose Studentin und eine Traube Kinder, die dann doch wissen wollen, wie das ist mit dem Eis und dem Dampf.

Viel Wasser für 200 Gramm Fleisch

Sören hat inzwischen die Wasserkanone nebenan entdeckt: Ihr Rohr zeigt viel versprechend gen Himmel. Der Sechsjährige füllt eine Plastikflasche mit Wasser und Tobias Golz vom NaT-Lab verschließt sie mit einem präparierten Korken, der sich an eine Luftpumpe anschließen lässt. Die Flasche kommt ins Plastikrohr und Sören pumpt gewaltig, bis der Druck so groß wird, dass sein Geschoss in hohem Bogen über das Gelände fliegt.

Hunderte von Besuchern sind zwischen Blumen, Bäumen und Beeten unterwegs. Und wenn sie sich nicht gerade am Kuchenstand der Freunde des Botanischen Gartens gütlich tun, rühren sie Wasserfarben mit den Helferinnen des Ada-Lovelace-Projekts an. Oder sie schauen bei Stefan Dorschel vom Forstamt Lennebergwald, wie Waldboden Wasser zurückhält und reinigt. Gerade angesichts des Hochwassers ist das ein aktuelles Thema.

Die Kinder stehen an diesem Familientag im Mittelpunkt. Sie forschen spielerisch an allen Fronten. Doch auch für Erwachsene gibt es einiges zu entdecken. Die Grüne Schule etwa bietet ein Rätselspiel. Auf kleinen Kärtchen sind Lebensmittel zu sehen. Auf der Rückseite steht, wie viel Wasser verbraucht wurde, um diese Dinge herzustellen. Wie ist das mit 200 Gramm Rindfleisch? Auf der Rückseite ist zu lesen, dass dafür 3.150 Liter Wasser nötig sind. Ein Apfel kommt auf 82 Liter, eine Tomate auf 21, die Tasse Tee auf 13, die Tasse Kaffee jedoch auf erstaunliche 150 Liter.

Sören ist das aber relativ schnuppe. Er hat diese fleischfressende Pflanze in einem Aquarium entdeckt. "Du willst sicher wissen, wie sie im Wasser überlebt", geht ein hilfreicher Student auf ihn zu. Die Antwort wird ihn überraschen ...