"Wir sind ein Verein, der seinen Mitgliedern viel geben kann"

26. August 2013

Nach dem Studium beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Eine neue Aufgabe wartet, ein neuer Wohnort vielleicht. Schnell verliert man seine einstigen Mitstudierenden aus den Augen. Alumni Mainz e. V. am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften steuert dagegen. Der Verein hat sich die Vernetzung der Ehemaligen auf die Fahnen geschrieben. 390 Mitglieder zählt er – und wenn es nach dem Vorsitzenden Stefan Irnich geht, dürfen es ruhig immer mehr werden.
 

Sie leben in Berlin oder Buenos Aires, in Selters oder San Salvador, in Landau oder London. Sie sind über den Globus verstreut. Sie arbeiten im Management eines Wirtschaftsunternehmens, in einer Kanzlei oder fürs Europaparlament. Eines aber haben sie gemeinsam: Sie studierten einst am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).

"Es wäre doch schade, wenn sich all diese Menschen aus den Augen verlieren würden", meint Prof. Dr. Stefan Irnich. "Dagegen tun wir etwas mit unserem Verein." Im Sommer dieses Jahres hat der Betriebswirtschaftler mit dem Spezialgebiet Logistikmanagement den Vorsitz von Alumni Mainz e. V. übernommen, einer der aktivsten Vereinigungen auf dem Campus, wenn es um die Vernetzung von Absolventen, ehemaligen Studierenden und deren Unterstützern geht.

Kontakt halten mit Kommilitonen von einst

Vor vier Jahren kam Irnich an die JGU. Nun sitzt er in seinem Büro im Haus Recht und Wirtschaft. An der Wand hängen Bilder seiner Kinder – sowohl Fotos von den Sprösslingen als auch kleine Kunstwerke in Wachsmalkreide und Buntstift. "Es sieht hier nicht sehr aufgeräumt aus", entschuldigt sich der Professor mit Blick auf ein paar wenige Papierstapel. Dann beginnt er zu erzählen, warum er sich für Alumni Mainz engagiert.

"Ich habe in Aachen studiert. Dort gab es zu meiner Zeit nicht einmal eine Abschlussfeier für die Absolventen. Ich habe mir meine Unterlagen im Sekretariat abgeholt. Es gab auch keine zentrale Organisation, die sich darum bemüht hätte, uns Absolventen in Kontakt zu halten. Es existierte schon ein Verein der Freunde und Förderer, aber der Mitgliedsbeitrag war hoch und man bemühte sich vor allem um Fundraising. Ich fragte mich: Warum soll ich da eintreten? Was gibt mir dieser Verein?"

Irnich verlor über die Jahre viele seiner ehemaligen Kommilitonen aus den Augen. "Dabei war es eine schöne Zeit und ich möchte eigentlich wissen, was mit ihnen passiert ist, wo sie hingegangen sind, was sie tun."

Alumni Mainz e. V. wurde 1998 gegründet. Der Verein schrieb sich all das auf die Fahnen, was Irnich am Ende der eigenen Studienzeit fehlte. "Wir fördern die Vernetzung der Ehemaligen untereinander, wir engagieren uns unter anderem auch bei den Abschlussfeiern", nennt Irnich zwei Punkte. "Unser Mitgliedsbeitrag ist dabei möglichst niedrig." Er liegt bei 25 Euro und für Absolventen ist das erste Jahr sogar kostenfrei.

Absolventenbuch als Bindeglied und Chance

Leider blieb die Mitgliederzahl des Vereins lange niedrig. Sie dümpelte weit unter der Hundertergrenze. Das änderte sich allerdings, als im Jahr 2010 Prof. Dr. Franz Rothlauf den Vorsitz übernahm. "Er hat systematisch dafür gesorgt, dass wir tatsächlich all unsere Absolventen ansprechen." Wer sich etwa zur Prüfung meldet, bekommt automatisch Informationen zum Verein und ein Anmeldeformular.

Auch sonst bietet Alumni Mainz den Studierenden einiges. Sie können sich zum Beispiel kostenlos im Absolventenbuch des Fachbereichs präsentieren. "Wir produzieren sogar eine spezielle Ausgabe, die wir an unsere Praxispartner schicken. Dort können die Absolventen auch ihre Noten einstellen und ihre Berufsvorstellungen erläutern."

Diese Praxispartner sind Organisationen und Unternehmen, mit denen der Fachbereich bereits verschiedenste Kontakte pflegt. "Es ist also keineswegs so, dass wir die Daten irgendwem schicken, der damit womöglich noch ein Geschäft macht." Aber es könnte durchaus sein, dass die Absolventen ein Geschäft machen, wenn sie sich auf diese Weise etwa bei der Deutschen Post, KPMG oder Boehringer Ingelheim empfehlen. "Unser Absolventenbuch ist für solche Unternehmen durchaus eine attraktive Ressource."

In seinem Jahresbericht gibt der Verein darüber hinaus Daten an die Hand, die es den Alumni ermöglichen, untereinander Kontakt aufzunehmen und zu halten. "Und seit vorigem Jahr bieten wir die Vortragsreihe 'Business meets Alumni Mainz' an", ergänzt Irnich. In diesem Jahr gab es von der Personalberatung Towers Watson Antworten auf ganz praktische Fragen zum späteren Beruf: Was kann ich als Einstiegsgehalt erwarten? Reicht ein Bachelorabschluss oder soll ich doch den Master dranhängen? Werden in der Branche Unterschiede gemacht zwischen Männern und Frauen?

Verein soll noch bekannter werden

390 Mitglieder zählt der Verein heute. Sie alle erhalten regelmäßig einen Newsletter, das Absolventenbuch, den Jahresbericht und einiges mehr. "Das alles ist für uns inzwischen viel Arbeit", sagt Irnich und blättert im Absolventenbuch. 132 Seiten umfasst es. Die müssen erst einmal gefüllt werden.

Trotz des Aufwands schrauben er und seine Mitstreiter an Ideen, die den Verein noch weiter voranbringen sollen. "Bei den Wirtschaftswissenschaftlern hat Alumni-Arbeit eine gewisse Tradition, bei unseren Juristen ist das anders, da ist der Zuspruch noch gering. Das wollen wir ändern."

Außerdem wäre es schön, wenn sich Ehemalige der JGU melden würden, denen es wie Irnich geht, die ihre Universität, ihre ehemaligen Kommilitonen vielleicht längst aus den Augen verloren haben. "An diese Leute kommen wir natürlich schwer heran. Da sind wir über jeden froh, der sich bei uns meldet."

Überhaupt freut sich Irnich über Unterstützung und Aufmerksamkeit jeglicher Art – etwa vonseiten der Universitätsleitung, die gerade dabei ist, das Thema Alumni weiter ins Zentrum zu rücken. Denn der Vorsitzende von Alumni Mainz e. V. ist überzeugt: "Wir sind ein Verein, der seinen Mitgliedern viel geben kann." Das soll noch bekannter werden. Dafür setzt er sich ein.