IFuL verführt Studierende zum Blick über den Tellerrand

19. Dezember 2011

Die Integration des Studium generale in die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge ist in vollem Gange. Der Arbeitsbereich Interdisziplinäre Forschung und Lehre (IFuL) soll mit seinen Angeboten die Studierenden anregen, über den Tellerrand ihre Fachs zu schauen, eigene Methoden zu hinterfragen und fremde Arbeitsweisen kennenzulernen.
 

Es ist eine Idee, die nicht erst mit der Einführung des Bachelors entstand. "Unser Ziel war schon immer, das Studium generale fest in einzelne Studiengänge zu integrieren", sagt Prof. Dr. Andreas Cesana. "Wir haben bei unseren Bemühungen in der Vergangenheit mal zu wenig, mal zu viel Unterstützung erfahren. Im Moment ist das Maß aber genau richtig", freut sich der Leiter des Studium generale an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Seine Stellvertreterin Dr. Edith Struchholz-Pommeranz fügt hinzu: "Durch den Umbau und die Modularisierung der Studiengänge ist diese Integration nun leichter durchzusetzen. Im Zuge des Bologna-Prozesses werden die Studiengänge überarbeitet. Das ist für uns gut, so rutschen wir rein."

Spezialisten sind wichtig ...

Sechs Bachelor- und 15 Masterstudiengänge haben den Besuch von Veranstaltungen des Studium generale in ihre Lehrpläne aufgenommen. Geisteswissenschaften wie die Germanistik, die Philosophie oder die Geschichte sind vertreten, aber auch die Biologie. Studierende, die eine Vorlesungsreihe und eine Begleitübung des Studium-generale-Arbeitsbereichs Interdisziplinäre Forschung und Lehre (IFuL) abschließen, erwerben in ihrem Studiengang Credit points.

Die IFuL-Angebote orientieren sich an den traditionellen Zielen des Studium generale: "Wir brauchen zwar Spezialisten", sagt Cesana, "aber die großen Probleme sind zu komplex, um sie mit einer Analyse in den Griff zu bekommen. Wenn Sie im Alltag des wissenschaftlichen Betriebs hängen bleiben, sind Sie reduziert auf eine Sichtweise. Wir suchen also immer nach neuen Möglichkeiten, die Interdisziplinarität zu fördern."

... interdisziplinäres Arbeiten aber auch

Das geschieht vor allem in den Begleitübungen zu den drei großen Vorlesungsreihen, die das Studium generale jedes Semester anbietet - und es geschieht auf sehr praktische Weise: "Wir schauen, dass die Gruppen klein sind, dass höchstens 25 Studierende teilnehmen", erzählt Struchholz-Pommeranz. "Dort inszenieren wir den Dialog der Wissenschaften." Studierende, der verschiedenen Fachbereiche begegnen sich und tauschen sich aus, nicht nur über Forschungsinhalte, sondern auch unterschiedliche Methoden. "Da kommen sehr gute Diskussionen zustande."

Für das Team vom Studium generale bedeutet das mehr Arbeit und ein anderes Arbeiten. "Mit unseren Übungen ist ein ganz eigenes Gebiet entstanden, das hohe Anforderungen an Lehrende wie an Studierende stellt."

Nichts für Anfänger

Wer auf Bachelor studiert, sollte denn auch nicht als Anfänger einsteigen. Ab dem dritten Semester dürfte es so weit sein. "Die auf Master Studierenden sind noch mal eine andere Herausforderung", meint Struchholz-Pommeranz, "sie wissen schon mehr, haben einen Abschluss, sind aber ganz verschieden vorgebildet, und die Dinge, die wir ihnen anbieten, sind ihnen oft fremd."

Auf diese Studierenden warten vier Themenkomplexe. Die Frage "Wie funktioniert Wissenschaft?" steht am Anfang. "Wo wir Wissenschaft haben, haben wir die Notwendigkeit, ihre Grundlagen zu reflektieren", erklärt Cesana. Der zweite Komplex beschäftigt sich mit Argumentation, Logik und Rhetorik. "Wobei es uns mehr um die Logik als um die Rhetorik geht." Es folgen Kultur und Kulturbegegnung. "Wissenschaft in Korea funktioniert zum Beispiel ganz anders als bei uns." Und zum Vierten geht es um die Ethik.

Mehr Aufgaben und mehr Mitarbeiter

Zwei zusätzliche Stellen konnten über den Hochschulpakt beim Studium generale geschaffen werden. Die braucht das Team aber auch angesichts der neuen Aufgaben. "Es ist ja nicht so, dass wir jetzt nur noch für die Studierenden da sind", betont Cesana. Im Gegenteil: "Das Studium generale soll weiterhin die interessierte Öffentlichkeit an die Universität locken." Davon zeugt in jedem neuen Semester das umfangreiche Programm. Es dürfte in seiner Vielfalt darüber hinwegtrösten, dass jetzt einige Übungen auf dem Plan stehen, die nur für Studierende gedacht sind.