Für die Vereinbarkeit von Sport und Studium

13. Oktober 2017

Seit Anfang 2016 ist die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) Partnerhochschule des Spitzensports. Sie gehört damit zu rund 100 Hochschulen bundesweit, die ihre Studierenden besonders darin unterstützen, Leistungssport und Studium besser miteinander zu vereinbaren. Die Initiative zu diesem Schritt ging maßgeblich vom Institut für Sportwissenschaft aus.
 

"Als offizielle Partnerhochschule des Spitzensports setzen wir ein starkes positives Signal für die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport an der JGU", betont Prof. Dr. Mark Pfeiffer vom Institut für Sportwissenschaft. "Wir haben uns schon frühzeitig durch eine Bonusregelung im Rahmen der Zulassung für unsere Bachelor- und Masterstudiengänge für Spitzensportlerinnen und -sportler eingesetzt, aber oft wurde das informell geregelt. Nun hat die Universität auch von offizieller Seite öffentlich bekundet, dass sie die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler unterstützen möchte." Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh), den Olympiastützpunkten Rheinland-Pfalz/Saarland und Hessen, den Landessportbünden Rheinland-Pfalz und Hessen sowie dem Studierendenwerk Mainz wurde im Februar 2016 unterzeichnet.

"In den letzten zehn, fünfzehn Jahren wurde viel über den kleinen Dienstweg erledigt", erläutert Pfeiffer. "Das funktionierte insgesamt auch ganz gut." Doch es gab eben auch Fälle, bei denen es schwierig wurde. "Nehmen wir an, jemand wird für eine Weltmeisterschaft, zum Beispiel für die Ruder-WM in Belgrad, nachnominiert. Das geschieht sehr kurzfristig. Nun hat der Studierende ein Problem: Er ist zu den festgesetzten Prüfungsterminen nicht da, er kann ein Referat nicht halten oder er kann die Anwesenheitspflicht nicht in Gänze erfüllen."

Profilquote als Hürde

Also gilt es, mit den zuständigen Stellen Kompromisse auszuhandeln, einen Nachholtermin für eine Klausur etwa oder eine Alternative zum Referat. "Meist lassen die Lehrkräfte mit sich reden und es findet sich eine Lösung. Aber ich hatte auch schon Fälle, in denen Dozenten meinten: Für mich sind alle Studierenden gleich, ich mache keine Eingeständnisse."

Der adh hatte das Projekt "Partnerhochschule des Spitzensports" im Jahr 1999 bundesweit ins Leben gerufen, auch mit der JGU hatte es Gespräche gegeben, doch zu einer Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung war es aus verschiedenen Gründen lange Zeit nicht gekommen.

Auf Initiative des Instituts für Sportwissenschaft wurden die Gespräche zwischen der JGU und dem adh wieder aufgenommen, die Vereinbarung wurde angepasst und Anfang 2016 wurde dann die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Heute ist die JGU eine von 100 Partnerhochschulen des Spitzensports, die insgesamt rund 1.200 studierende Athletinnen und Athleten aus Bundeskadern, also aus Nationalmannschaften, in ihren Reihen haben.

Flexibilisierung des Studiums statt Erleichterung

"Die Gruppe, die von der Vereinbarung profitiert, ist nicht besonders groß", stellt Pfeiffer klar. "An der JGU sind es derzeit 10 Studierende." Die Kooperationsvereinbarung gilt nicht für alle Spitzensportler, sie zielt ausdrücklich auf Angehörige der A-, B-, C- oder D/C-Kader. Wer etwa als Profifußballer sein Geld verdient und daneben studiert, erfüllt die in der Kooperationsvereinbarung genannten Voraussetzungen nicht. Auch ein Athlet, der 30 Stunden die Woche trainiert, aber nicht für Deutschland antritt, gehört nicht zur Zielgruppe. Angesprochen sind vielmehr Sportler wie der Ruderer Jonathan Koch, zweifacher Olympiateilnehmer und Weltmeister.

"Die Kooperationsvereinbarung ist eine Willensbekundung. Die JGU hat mit der Unterzeichnung deutlich gemacht, dass sie Spitzensportlerinnen und -sportler bei ihrer Studienplanung unterstützen will. Ein zentrales Anliegen ist die Flexibilisierung." Prüfungs- oder Abgabetermine können verschoben werden und auch eine andere Form der Leistungsüberprüfung ist denkbar. So könnte eine Hausarbeit ein Referat ersetzen und wer nicht oft genug an einem Seminar teilnehmen kann, könnte auf andere Weise Qualifikationen erwerben. Bei alledem bleibt aber immer klar: "Die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler erhalten keine Vergünstigungen, die zu erfüllenden Studienleistungen bleiben die gleichen."

Auch die betroffenen Studierenden unterzeichnen die Vereinbarung. Sie erklären sich bereit, möglichst an Studierendenwettkämpfen wie Hochschulmeisterschaften teilzunehmen. Außerdem stehen sie für repräsentative Zwecke zur Verfügung – und das auch nach ihrem Studium als Alumni der Universität.

Gut strukturierte Sportler

Noch sind die Strukturen der Universität als Partnerhochschule des Spitzensports im Aufbau. Das Institut für Sportwissenschaft führt hier vertreten durch Prof. Dr. Mark Pfeiffer Regie. "In einem ersten Schritt haben wir alle Studienbüroleiterinnen und -leiter der JGU zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, denn die Studienbüros sind der Ort, an dem die für uns relevanten Entscheidungen getroffen werden. Sie organisieren alles rund ums Studium." Im Fall der Fälle also auch um die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport.

"Studierende finden die wichtigsten Informationen zur Kooperationsvereinbarung Partnerhochschule des Spitzensports auf einer jüngst von der Zentralen Studienberatung der JGU eingerichteten Webseite. Dort steht zum Beispiel, dass die Laufbahnberatung am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland die erste Anlaufstelle für die studierenden Spitzensportlerinnen und -sportler ist. Das wollen wir noch deutlicher publik machen."

Grundsätzlich ist Pfeiffer von der Vereinbarkeit von Spitzensport und Studium überzeugt – ob mit oder ohne Kooperationsvereinbarung. "Leitungssportlerinnen und -sportler sind meist extrem gut strukturiert und leistungsorientiert. Sie haben es schon in ihrer Schulzeit geschafft, den Unterricht und ihr Training zu koordinieren. Das setzt sich an der Universität fort." Es spricht also einiges dafür, das aus einer herausragenden Athletin oder aus einem herausragenden Athleten auch ein herausragender Studierender wird.