10 Jahre mainzed: Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften

23. April 2026

Das Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften, kurz mainzed, wird seit zehn Jahren von sechs Forschungseinrichtungen aus der Stadt getragen, darunter die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Mit dem hochschulübergreifenden Masterstudiengang und vielen weiteren Projekten setzt mainzed Maßstäbe für die digitale Transformation wissenschaftlicher Disziplinen.

Brücken schlagen für die Digital Humanities: Dafür steht das Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften seit mehr als zehn Jahren. Und dass die Kurzbezeichnung des Zentrums – mainzed – in der Aussprache nicht wirklich zu unterscheiden ist vom englischen Wort "mindset" für "Denkweise" oder "Geisteshaltung" ist kein bloßer Zufall. Denn es geht um Haltung und Perspektive zu einer der großen Fragen der Geisteswissenschaften: Wie können sich die Disziplinen zukunftssicher aufstellen angesichts von Digitalisierung, Digitalität und KI?

Genau diese Frage wird auch bei der Feier des zehnjährigen Jubiläums des Netzwerks am 29. April 2026 im LUX- Pavillon der Hochschule Mainz mitten in der Mainzer Innenstadt gewürdigt. Die Besucher*innen erwartet unter anderem die Praxisprojektpräsentation "Work in Progress" des hochschulübergreifenden, in Deutschland einzigartigen Masterstudiengangs "Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften", bevor die Jubiläumsausgabe der Veranstaltungsreihe mainzedZWEI26 zum Thema "Digitalität und Diversität – Geisteswissenschaften JETZT" folgt. Eingebettet ist die Veranstaltung in eine Ausstellung zu 10 Jahren mainzed, die vom 28. April bis 2. Mai 2026 gezeigt wird.


Einladung zu mainzedZWEI26 zum Thema "Digitalität und Diversität – Geisteswissenschaften JETZT"
Einladung zu mainzedZWEI26 zum Thema "Digitalität und Diversität – Geisteswissenschaften JETZT"

Maschinenraum für digitale Forschungskompetenzen

Wie mainzed am besten zu beschreiben ist? "Als Maschinenraum", so Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn, Professor an der Hochschule Mainz und Direktor von mainzed. Das ist im besten Sinn gemeint, nämlich als Kraft- und Antriebsort: mainzed verbindet, fördert Dialog und Zusammenarbeit, bietet gemeinsame Ansatzpunkte und Perspektiven – und all das über Disziplinen und Einrichtungen hinweg. Ziel ist, Forschenden in den Geistes- und Kulturwissenschaften, die digital arbeiten und ihre Ergebnisse auch digital vermitteln, spezifische Kompetenzen an die Hand zu geben. Beteiligt sind heute mehr als 50 Forschende. Neben der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Hochschule Mainz sind die der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V., das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) und das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) Partner im Netzwerk.

Ein Studiengang genau für unsere Zeit

Der parallel zur mainzed-Gründung aufgebaute Studiengang "Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften" nimmt die aktuellen Herausforderungen durch Digitaltechnik und KI in den Blick. "Tatsächlich ist der Master bei Arbeitgebern sehr gefragt", berichtet Musikwissenschaftler Prof. Dr. Peter Niedermüller von der JGU, Studienmanager des Masterstudiengangs. "Absolventinnen und Absolventen arbeiten in Forschungseinrichtungen aller Art, in Bibliotheken und Museen, aber auch in der Privatwirtschaft – von der IT-Beratung über Agenturen und Verlage bis zur Datenanalyse."

Dabei profitiert der Studiengang von der engagierten Community des mainzed-Netzwerks, die Praxisprojekte oder auch regelmäßig öffentliche Ringvorlesungen organisiert. Ein Vorbild für viele andere technologiegeprägte Studienangebote ist der hohe Anteil von weiblichen Studierenden im Master "Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften". Hier punkte sicher auch die Verbindung aus Technik und Geisteswissenschaft, so Bruhn.

Was gestern Text war, ist heute Datenstrom

Prof. Dr. Gerhard Lauer, Professor für Buchwissenschaft und Leseforschung an der JGU, ist stellvertretender Direktor von mainzed. Er nennt das Zentrum einen wichtigen Katalysator für die Entwicklung der Geisteswissenschaften. "Es gibt keinen Ort in Deutschland, in dem so viele geisteswissenschaftliche Infrastrukturinstitutionen zu diesem Thema zusammenkommen." Das sei heute wichtiger denn je. Denn Digitalisierung sei längst kein Zukunftsthema, sondern im Hier und Jetzt angekommen. "Wer Kulturwissenschaft betreibt, muss längst mit digitalen Kulturdaten umgehen können. Wenn kulturelle Praxis über Plattformen läuft, verändern sich auch die Fragen der Forschung. Denn was gestern Text war, ist heute Datenstrom", gibt Lauer zu bedenken. Der Wandel der Geisteswissenschaften sei dringend notwendig, vollziehe sich bisher aber oft viel zu langsam.


(v.l.) Prof. Dr. Gerhard Lauer, Professor für Buchwissenschaft und Leseforschung an der JGU, Musikwissenschaftler Prof. Dr. Peter Niedermüller, Studienmanager des hochschulübergreifenden Masterstudiengangs "Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften", und Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn, Professor an der Hochschule Mainz und Direktor von mainzed (Foto: Peter Thomas)

Kulturell denken, technisch arbeiten

"Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig Studienangebote wie der seit dem Jahr 2016 angebotene, hochschulübergreifende mainzed-Master sind", ergänzt Lauer. Der Inhaber des Gutenberg-Lehrstuhls hebt die Stärken der Absolventinnen und Absolventen hervor, die einerseits kulturell denken und geisteswissenschaftlich argumentieren, andererseits gleichermaßen technisch arbeiten und mit digitalen Werkzeugen und Methoden umgehen könnten. "Man darf einen Datensatz nicht für die Welt halten, aber man muss ihn als Quelle erkennen und mit ihm arbeiten."

Mainz als Leuchtturm

In den vergangenen Jahren sei für mainzed besonders die Arbeit an der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) wichtig gewesen, berichtet Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn. Durch das Engagement habe das Zentrum – und damit der Standort Mainz – etwas unglaublich Wertvolles geschafft: Die geistes- und kulturwissenschaftlichen NFDI-Konsortien NFDI4Memory, NFDI4Culture sowie NFDI4Objects haben ihren Schwerpunkt in Mainz, mit Forschungsmitteln in Millionenhöhe.

Weichen für die Zukunft stellen

Das Jubiläum bietet sicherlich Gelegenheit, zufrieden auf die vergangenen zehn Jahre zurückzublicken. Aber wichtiger ist natürlich der Blick nach vorn. Rund 70 Absolventinnen und Absolventen haben den Master bisher erfolgreich abgeschlossen – der Bewerbungszeitraum für die neue Kohorte mit Studienbeginn im Wintersemester 2026/2027 läuft noch bis zum 15. Mai 2026.

Text: Peter Thomas

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