Der Stadt und der Universität bis heute verbunden

3. Februar 2021

In den 1990er-Jahren studierte Andreas Benhof Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Danach entschied er sich für eine Branche, die auf den ersten Blick nicht unbedingt dazu passt: Er machte Karriere bei einem der größten Personaldienstleister weltweit. Heute arbeitet er als Senior-Manager bei Hays. Die JGU behielt er bis heute im Blick: Hier absolvierte er noch einen berufsbegleitenden MBA-Studiengang und er regte die Stiftung eines Deutschlandstipendiums durch sein Unternehmen an.
 

Für das Studium ist er aus dem hohen Norden nach Mainz gekommen. "Die Uni in Bremen fand ich so mittel", erinnert sich Andreas Benhof. Also wechselte er aus privaten Gründen an die JGU und bereute es nie. "Meine Freundin hatte sich ebenfalls hier eingeschrieben. Es war eine total prägende Zeit! Ich habe in der Neustadt gewohnt, aber der Campus war mein Lebensmittelpunkt. Er gefällt mir immer noch – ich finde ihn einfach schön." Benhof studierte Politikwissenschaft und in den Nebenfächern Amerikanistik und Anglistik. "Das soziale Umfeld stimmte. Ich habe mich in vielen Bereichen, unter anderem in der Fachschaft und im Fachschaftsrat engagiert."

Heute wohnt er gerade mal 15 Wegminuten von der JGU entfernt, und Mainz ist längst zu seinem Zuhause geworden. Er mag die besondere Atmosphäre. "Die Leute sind viel offener und herzlicher als in meiner Heimat."  Das fällt nicht nur ihm auf: "Mein Vater genießt es, wenn er mich besuchen kommt und wir in die Weinhäuser gehen." 1999 machte Andreas Benhof mit 28 Jahren seinen Abschluss an der JGU. "Ich habe sehr gründlich studiert", räumt er lächelnd ein. "Aber das war üblich. Man war froh, wenn man überhaupt fertig wurde."

Persönlicher Eindruck zählt mehr als Bewerbungsunterlagen

Nach seinem Abschluss startete er eine Karriere bei einem der größten Personaldienstleister überhaupt und ist heute Senior Department Manager Internal Recruiting + HR Marketing bei Hays in Mannheim. "Zuerst hatte ich keinen Plan, wohin es gehen sollte. Politikwissenschaftler landen normalerweise in völlig anderen Jobs. Aber das damalige Hochschulteam des Arbeitsamts hat gute Arbeit geleistet und mir ein Trainee-Programm im Bereich Geist und Wirtschaft angeboten. Dort habe ich gemeinsam mit ganz verschiedenen Leuten überlegt, was wir überhaupt wollen. Ich dachte, dass Personal und Marketing mir liegen könnten." So kam er auf die Personaldienstleistung.

Hays vermittelt als Personaldienstleister an 265 Standorten weltweit hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte in verschiedenen Branchen und Vertragsarten. Neben der Festanstellung und der projektbasierten Vermittlung von freiberuflichen Spezialistinnen und Spezialisten gehört dazu auch die Arbeitnehmerüberlassung. Dass dieses dritte Segment, welches landläufig als Leiharbeit bekannt ist, nicht überall einen guten Ruf genießt, ist Benhof nur zu bewusst. "Doch davon setzen wir uns deutlich ab. Viele unserer Überlassungen münden in eine Festanstellung."

Was sich hinter dem ellenlangen englischen Titel seiner aktuellen Position verbirgt, erklärt Benhof so: "Ich kümmere mich um alles, was im weiteren Sinn mit der internen Rekrutierung für unser Unternehmen zu tun hat. Es beginnt damit, dass wir potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten auf uns aufmerksam machen, unter anderem auch an der JGU, wo wir auf Job-Messen oder bei Podiumsdiskussionen vertreten sind. Und es mündet in die konkrete Auswahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Hier skizziert er kurz die Philosophie von Hays: "Wenn ich eine Bewerbung vorliegen habe, die nicht perfekt ist, bedeutet das noch lange nicht das Aus. Solche Leute laden wir trotzdem ein. Es kommt uns auf den Typen an – und ein persönliches Gespräch sagt viel mehr aus als ein paar Blatt Papier. Wenn sich jemand auf eine Position bewirbt, die für ihn nicht geeignet ist, schaue ich nach alternativen Positionen, auf die er oder sie passen könnte."

Master of Business Administration an der JGU

Hays ist bekannt – aber nicht jedem Studierenden automatisch ein Begriff.  "Wir sind nicht so sexy wie ein Automobilhersteller und unsere Produkte findet man auch nicht im Supermarktregal." Also muss Benhof das Unternehmen zur Sprache bringen, und das macht er gern. "Heute Abend habe ich noch eine Präsentation an der Uni Kiel, zu der ich online zugeschaltet werde", erzählt er. "Im Grunde ist das nichts anderes als damals im großen Hörsaal P1 im Philosophicum, als ich die Erstsemester begrüßt und für unsere Fachschaft geworben habe."

Auf die Frage, welche konkreten Fähigkeiten aus dem Studium er heute für seine Arbeit nutzt, zögert er. "Ich erinnere mich an einen Professor, der uns sagte: 'Ihr müsst wissen, woher ihr Informationen bekommt und wie ihr sie weiterverarbeitet. Darum wird es in Zukunft gehen.' Er sah das digitale Zeitalter ziemlich gut voraus." Es seien eher grundsätzliche Dinge, von denen er heute zehrt. Klar, die Englischkenntnisse kommen ihm zugute und auch die Art, wie er sich etwas erarbeitet. "Kandidatinnen oder Kandidaten mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund sind mit 40 bis 45 Prozent die größte Gruppe, die sich bei Hays bewirbt. Daneben haben wir aber auch sehr viele Bewerberinnen und Bewerber aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Wir schätzen, wie gut sie sich auf neue Situationen einstellen und wie sie es vermeiden, in Schubladen zu denken."

Seine zweite Studienzeit an der JGU brachte Benhof dagegen einen sehr konkreten Nutzen. Nach fünf Jahren Berufserfahrung entschied er sich für einen berufsbegleitenden Studiengang. Mit ihrer Gutenberg School of Business bietet die JGU eines der ältesten und renommiertesten Executive MBA-Programme für Führungskräfte an. "Diesmal wählte ich sehr rational aus", erzählt Benhof. "Ich schaute, welches Programm inhaltlich das Beste ist und in welchem Verhältnis die Kosten dazu stehen. Der Mainzer MBA hat mich überzeugt, weil nicht nur gute Professorinnen und Professoren mehrerer Hochschulen, sondern auch Fachleute aus der Praxis unterrichten. Am Ende war ich dann allerdings doch überrascht, welch positiven Eindruck dieser zusätzliche Abschluss auf meinem Karriereweg machte."

Deutschlandstipendium für Mainzer Studierende

Hays engagiert sich an mehreren deutschen Universitäten, unter anderem auch durch die Stiftung von Deutschlandstipendien. Voriges Jahr regte Benhof an, solch ein Stipendium auch an der JGU zu finanzieren. "Die Universität liegt in der Nachbarschaft einiger unserer Standorte und ich weiß schließlich, dass man hier einen guten Job macht. Als wir gefragt wurden, aus welchem Fach wir Studierende bevorzugen würden, meinte ich natürlich: 'Aus den Politikwissenschaften, da gibt es schlaue Leute.'" Anfang 2020, beim traditionellen festlichen Dinner auf dem Hofgut Laubenheimer Höhe, lernte er den ersten Mainzer Stipendiaten von Hays persönlich kennen. "Ich wurde nicht enttäuscht."

"Das Deutschlandstipendium ist für uns eine gute Möglichkeit, Studierende zu unterstützen", meint Benhof. "Wir geben 1.800 Euro im Jahr, und der Staat schießt noch mal dieselbe Summe dazu. Das bringt für die Stipendiatin oder den Stipendiaten immerhin 300 Euro im Monat. Damit ist die Miete gezahlt, oder der Nebenjob wird überflüssig. Natürlich sind von unserer Seite keine besonderen Erwartungen oder Bedingungen an dieses Stipendium geknüpft", stellt Benhof klar. "Wir sehen darin eine Gelegenheit, uns bekannter zu machen. Vielleicht erzählen wir ein wenig davon, welche Chancen wir jungen Menschen bieten. Wir bilden Hochschulabsolventinnen und -absolventen sehr gut aus. Dafür haben wir eigens ein Trainingscenter eingerichtet und stellen eine strukturierte Einarbeitung durch Mentorinnen und Mentoren sicher. Wir sind grundsätzlich stolz darauf, Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu rekrutieren." So beginnen Menschen verschiedenster Couleur eine Karriere bei Hays – auch Politikwissenschaftler der JGU.