Die Universität unterstützen, den Campus mitgestalten

18. November 2021

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) erlebte in den letzten Jahren einen Ausbau der privaten Hochschulförderung: Neben finanzkräftige Stifterinnen und Stifter sind Personen getreten, die sich mit kleineren Beträgen engagieren, Alumni, die vielleicht mal einen Vortrag halten oder andere, die einfach neugierig auf die Universität sind. "Für uns sind all diese Menschen wertvoll", sagt Dr. Kristina Pfarr, Leiterin des Teams "Universitätsförderung und Alumni".
 

1950 kam eine Gutenberg-Büste auf den Campus. Die Mainzer Aktien-Brauerei ließ sie im Hof des Forum universitatis aufstellen. Längst gilt sie als Markenzeichen der JGU. In unmittelbarer Nachbarschaft rauschen die Wasser des Bürgerbrunnens, 1966 von Generalkonsul Hans Klenk gestiftet. Eine Gedenktafel erinnert daran. 2011 stellten die Freunde der Universität Mainz 300.000 Euro zur Verfügung, um die Schule des Sehens auf den Weg zu bringen. Der multifunktionale Ausstellungsraum wurde zum Schaufenster der JGU. Er präsentiert Facetten des Wissens und der Forschung. Nicht nur Studierende, sondern auch Mainzer Bürgerinnen und Bürger kommen hierher. Schulklassen sind ebenfalls häufig zu Besuch. Und auf dem Platz davor ist zwischen Rosenstöcken eine Skulptur von Reinhold Petermann zu entdecken: "Die Hockende", eine von vielen Spenden der emeritierten JGU-Professorin Elisabeth Gateff.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz konnte bereits früh auf privates Engagement zählen. Immer wieder finden sich Menschen und Unternehmen, die nachhaltig ihre Spuren hinterlassen, manchmal weithin sichtbar auf dem Campus, vor allem aber deutlich spürbar in Forschung und Lehre: Sie loben Preise und Stipendien aus, begründen Professuren oder stoßen den Bau modernster Institute an.

Neue Strukturen zur Universitätsförderung

"Wer unsere Universität fördert, wer spendet oder eine Stiftung ins Leben ruft, gestaltet in gewisser Weise immer auch mit", betont Dr. Kristina Pfarr. Tatsächlich gibt es unzählige Möglichkeiten, die JGU zu unterstützen. "Wir haben ein riesiges Themenspektrum zu bieten", sagt sie. Das allerdings kann Interessierte schon mal verwirren: Es ist nicht immer einfach, sich an einer so großen Universität zurechtzufinden. "Wir müssen also dafür Sorge tragen, dass die passenden Angebote an die richtigen Personen kommen." Daran arbeitet Pfarr: Seit 2012 leitet sie das Team "Universitätsförderung und Alumni" an der JGU. Sie hat erlebt, wie sich in diesem Bereich einiges geändert hat – und diese Veränderungen mitgestaltet.

Die Gutenberg-Büste steht dafür, wie es nicht laufen sollte, wenn sich Spender melden: Bereits im Mai 1946 hatte die Mainzer Aktien-Brauerei angeboten, die Skulptur zu stiften – und bekam keine Reaktion. Am 31. März 1950 griff der "Neue Mainzer Anzeiger" das Thema auf. Nun reagierte die Universität: Rektor Hellmut Isele entschuldigte sich, nahm das Angebot dankend an, und Gutenberg durfte endlich kommen. Pfarr schildert diesen Fall in ihrem Beitrag "Fördern, Stiften, Mitgestalten" zur Festschrift anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dort kommentiert sie: "Heute würde es wohl keine vier Jahre mehr dauern, bis über eine der JGU angebotene Spende entschieden wird." Fördern und Stiften braucht Service. Wer sich mit dem Gedanken trägt, die Universität zu unterstützen, braucht eine Adresse, braucht Menschen, an die er sich wenden kann.

"Ab 2009 baute die JGU Strukturen zur privaten Universitätsförderung auf", erzählt Pfarr – und räumt gleich ein: "Das ist relativ spät." Es ging unter anderem auch darum, eine breitere Masse an Menschen zu erreichen und ein Netzwerk rund um die JGU zu knüpfen. "Deswegen ist unser Team mittlerweile auch für die zentrale Alumni-Arbeit der JGU zuständig, worüber ich sehr glücklich bin." Seit 2010 steht im rheinland-pfälzischen Hochschulgesetz, dass es zu den Aufgaben der Universität gehört, die Bindung Ehemaliger an ihre Alma Mater zu fördern. "Alumni-Vereine gibt es bereits länger an unserer Universität. 2004 versuchte man unter der Regie eines neu gegründeten Vereins, alles unter ein Dach zu bringen." Aber die Idee einer stärker zentralisierten Steuerung ließ sich nicht durchsetzen. An ihre Stelle trat ab 2013 eine lose Organisationsform, die sich im Netzwerk "Gutenberg-Alumni" manifestiert: "Wir bieten einen zentralen Service, ohne dabei die Regie an uns zu reißen. Wir unterstützen die Initiativen in den einzelnen Fachbereichen und künstlerischen Hochschulen und ergänzen sie durch zusätzliche Angebote." Der Aufbau eines Portals gehört genauso dazu wie ein Online-Newsletter, den Ehemalige abonnieren können.

Spenden für Einsteiger, Stiften einfach gemacht

"Alumnae und Alumni halten Vorträge an der JGU, berichten aus ihrem Arbeitsleben oder helfen Verbindungen zu knüpfen", zählt Pfarr auf. Manchmal übernehmen sie ehrenamtlich wichtige Posten wie etwa Dr. Ullrich Fechner, Vorstandsvorsitzender der Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung, oder Bundesbankdirektor a. D. Helmut Rittgen, Vorsitzender der Freunde der Universität Mainz e. V.  "All diese Menschen sind Förderer der Universität. Sie spenden Zeit, Know-how oder öffnen ihr eigenes Netzwerk. Und sollten sie sich zu einer Geld-Spende entschließen, stehen wir ihnen natürlich gern mit unserem Rat zur Verfügung."

Ein Tipp für Einsteiger wäre das Deutschland-Stipendium: Das Programm fördert Studierende, die nicht nur außergewöhnliche Leistungen in ihrem Fach erbringen, sondern sich auch sozial und gesellschaftlich engagieren. 265 Deutschlandstipendien konnten allein für das laufende Förderjahr an der JGU eingeworben werden. Spenderinnen oder Spender geben für ein Jahresstipendium 1.800 Euro, der Staat legt noch einmal dieselbe Summe drauf, und daraus resultiert eine sehr spürbare Unterstützung von 300 Euro pro Monat. "Wir bündeln auch mehrere kleinere Spenden zu einem Stipendium", sagt Pfarr. Es müssen also nicht mal 1800 Euro sein.

"Spenderinnen und Spender wollen nicht Löcher in unserem Haushalt stopfen, sondern Dinge ermöglichen, die sonst nicht finanzierbar wären", sagt Pfarr. Paradebeispiele für solches Engagement sind die rund 40 Vereine, die sich um die JGU verdient machen, allen voran die Freunde der Universität e. V.: Offiziell wurde er 1951 aktiv, doch die Weichen für seine Gründung wurden bereits vor der Wiedereröffnung der JGU gestellt. Neben der Schule des Sehens schufen die Freunde die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur, mit der sie Jahr für Jahr renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie prominente Persönlichkeiten für eine öffentliche Vortragsreihe auf den Mainzer Campus holen. Sie stiften Preise und bieten Studierenden Unterstützung. Insgesamt brachten sie bisher 9,2 Millionen Euro auf.

Eine weitere wichtige Säule bildet das Stiftungswesen an der JGU mit weit über 30 eigenen Treuhandvermögen bzw. -stiftungen unterschiedlicher Größenordnung. Auch hier hat sich einiges geändert in den letzten Jahren: 2004 entstand die Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung, nicht zuletzt als Service für all jene, die sich nicht selbstständig um alle Belange, um jede bürokratische Hürde oder die Herausforderung der Geldanlage ihrer Stiftung kümmern wollen oder können. Sie können mit einer Treuhandstiftung unter das Dach der Universitätsstiftung schlüpfen. Außerdem führte die seit Jahren andauernde Niedrigzinslage dazu, dass so genannte Verbrauchsstiftungen attraktiv wurden: Jährlich wird ein bestimmter Betrag aus dem Stiftungskapital für den Stiftungszweck verwendet. So existiert die Stiftung zwar nicht mehr auf ewig. "Aber die Stifterinnen und Stifter können Projekte anschieben und miterleben, was ihre Stiftung bewirkt", meint Pfarr. "Für uns hat es auch etwas Beglückendes zu sehen, wie sie selbst ihre Vorhaben gemeinsam mit der JGU vorantreiben. Außerdem lohnt bei dieser Organisationsform auch eine Stiftung mit kleinerem Kapital."

Die Anbahnung von Kooperationen mit anderen Stiftungen und Unternehmen, etwa im Umfeld des Deutschlandstipendiums und darüber hinaus, gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Teams Universitätsförderung. Pfarr nennt zwei Beispiele: "In Kürze schließt die JGU eine Rahmen­vereinbarung mit der Mainzer Wissenschaftsstiftung, die künftig regelmäßig Vorhaben an der JGU fördern wird. Und seit 2019 sind wir eine von bundesweit 20 Partnerhochschulen der Santander Consumer Bank und erhalten derzeit Förderungen im Deutschlandstipendien-Programm und im Hinblick auf den weiteren Ausbau des internationalen Profils der JGU."

Von Grenzen und Regeln

"Wir eröffnen immer neue Optionen für Menschen, die unsere Universität unterstützen wollen, und wir bieten Unterstützung auf allen Ebenen", sagt Pfarr. Doch damit ist nicht gesagt, dass die JGU zu allem bereit ist – im Gegenteil: Sie gibt sich Regeln und setzt sich Grenzen, wenn es um Fördern und Stiften geht. "2018 verabschiedete der Senat einen Code of Conduct, der vor dem Hintergrund der gesetzlichen Regelungen einen nachvollziehbaren und transparenten Umgang mit Zuwendungen gewährleistet", so Pfarr. Außerdem hat die JGU-Leitung beispielsweise beschlossen, "Hörsaal-Sponsoring" – also den zeitlich befristeten Verkauf von Namensrechten an einem Hörsaal, der dann für die vereinbarte Dauer nach dem jeweiligen Sponsor benannt wird – nicht anzubieten. "Es war eine sehr bewusste Entscheidung, darauf zu verzichten. Bei uns wird es auf absehbare Zeit keinen Hörsaal geben, der den Namen eines Discounters trägt."

In den letzten Jahren ist viel geschaffen worden, um Unterstützerinnen und Unterstützern der JGU eine helfende Hand zu reichen. "Wir kennen unsere Spenderinnen und Spender", sagt Pfarr. "Wir haben häufig Kontakt und sprechen sie sehr individuell an. Wir laden sie ein zu gesellschaftlichen Ereignissen wie unserem Stiftertag oder dem festlichen Dinner auf der Laubenheimer Höhe im Kontext des Deutschlandstipendiums, wo sie auch mal auf den JGU-Präsidenten treffen können. So etwas wird sehr geschätzt. Außerdem informieren wir sie über einen eigenen Newsletter." All das ist aufwändig und zeitintensiv. "Aber ich könnte mir kaum einen interessanteren Job vorstellen", sagt Kristina Pfarr. "Jeder Tag bringt etwas Neues, bringt interessante Begegnungen, Überraschungen und Herausforderungen – und vielleicht eine Zuwendung, mit der niemand gerechnet hat, die es uns aber ermöglicht, etwas zu schaffen, was es sonst nie an der JGU gegeben hätte."