Neue Weiterbildung in der Onkologie setzt Maßstäbe

13. Februar 2018

Die Pflege krebskranker Menschen ist eine Herausforderung. Sie verlangt eine breite Palette an Kenntnissen und zugleich ist ein hohes Maß an Vielseitigkeit und Flexibilität gefragt. Als Antwort auf diese Herausforderung hat die Universitätsmedizin Mainz in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) die Fachweiterbildung "Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in für die Pflege in der Onkologie" ins Leben gerufen.
 

"Dies ist eine zukunftsweisende Weiterbildung", erklärt Marion Hahn selbstbewusst und mit einem Hauch von Stolz. "Sie wird die Qualität der Pflege noch einmal entscheidend verbessern." Als Pflegevorstand der Universitätsmedizin Mainz war Hahn eng in die Konzeption und Ausgestaltung eines besonderen Weiterbildungsangebots eingebunden – wie alle, die sich an diesem Vormittag zu einem Gespräch in ihrem Büro eingefunden haben. "Es ist ein übergreifendes Projekt, an dem Universitätsmedizin und Universität gemeinsam gearbeitet haben."

Rund zwei Jahre sind seit den ersten Plänen vergangen, nun steht die Fachweiterbildung "Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in für die Pflege in der Onkologie" kurz vor ihrer praktischen Bewährungsprobe: Am 9. April 2018 startet der erste Ausbildungsgang, 15 Plätze stehen zur Verfügung, für die sich Interessierte noch bis zum 1. März bewerben können.

Verzahnung von Theorie und Praxis

Krebs ist ein großes Thema, auch an der Universitätsmedizin Mainz. "20 bis 25 Prozent unserer Patienten sind Krebspatienten", schätzt Hahn. "Angesichts des demografischen Wandels und immer besserer Diagnosemöglichkeiten ist die Tendenz steigend." Die Pflege in diesem Bereich sei eine höchst anspruchsvolle Tätigkeit. "Onkologische Patienten sind ein forderndes Klientel, aber der Umgang mit ihnen gibt den Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegerinnen- und -pflegern viel, auf persönlicher wie auf fachlicher Ebene. Es ist ein spannendes und vielfältiges Gebiet."

Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Weiterbildung, die sich an bereits ausgebildete Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegerinnen- und -pfleger wendet. "Wir wollten etwas wirklich Umfassendes schaffen und ich denke, das ist uns gelungen. So unterschiedliche Disziplinen wie Pädiatrie oder Hämatologie sind einbezogen, hinzu kommt eine breite Palette an Therapieansätzen und wir haben auch die palliative Pflege im Blick. Nur wenige Kliniken sind so breit aufgestellt, dass sie all dies vor Ort bieten können." In die Arbeitspraxis all dieser Bereiche werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weiterbildung einen tiefen Einblick bekommen. Unter anderem werden sie in der Strahlentherapie, in der chirurgischen und der internistischen Onkologie oder der Hospizarbeit eingesetzt.

Dabei stehen 1.900 praktische Unterrichtsstunden 770 Stunden theoretische Weiterbildung gegenüber. Vor allem hier kommt das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung der JGU ins Spiel. "Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne der Verzahnung von Theorie und Praxis", betont Dr. Beate Hörr, die das ZWW seit vielen Jahren leitet. "Ein Modul der Weiterbildung befasst sich ausführlich mit der Beratung von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen. Ein weiteres dreht sich um das Qualitätsmanagement. Meines Wissen sind wir die einzigen, die so etwas anbieten."

Hoher Status der Pflege

"Wir haben bereits zuvor mit dem ZWW zusammengearbeitet", erklärt Hahn, "aber dies ist bisher unser größtes und anspruchsvollstes Projekt. Uns war es wichtig, diese Brücke zwischen Universität und Universitätsmedizin zu schlagen. Das ist meines Erachtens die einzige Weiterbildung bundesweit, bei der eine Universitätsmedizin und eine Universität so eng kooperieren."

Stark einbezogen sind auch die Ärzteschaft und das Pflegepersonal. Ihre Ideen und Vorschläge prägten die Weiterbildung mit. "In einigen Modulen unterrichten beide gemeinsam", erzählt Stephanie Wohlschlegel-Abu Tair, Referentin des Pflegevorstands der Universitätsmedizin Mainz. "Ohne ihr Engagement hätten wir unser Projekt so gar nicht realisieren können."

"Mit diesem Angebot erhöhen wir den Status der Pflege", ergänzt Reinhard Wieck. Vor drei Jahren absolvierte er eine Weiterbildung zur onkologischen Pflegefachkraft. "Diese Weiterbildung damals hatte aber nicht den Umfang und die Breite, die wir nun anstreben." Seit Januar ist Wieck Koordinator für die onkologische Pflege an der Universitätsmedizin Mainz.

Nah am Masterabschluss

"Die Pflege soll gleichberechtigt neben der ärztlichen Versorgung stehen", betont er. "Sie ist ebenso wichtig." Das Pflegepersonal könne viel tun, um die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern: "Wir spielen eine wichtige Rolle beim Management der Nebenwirkungen der verschiedenen Krebstherapien, aber auch bei Dingen wie der Ernährungsberatung. Es gibt so viele Bereiche. Wir begleiten unsere Patientinnen und Patienten oft über einen langen Zeitraum. Wir erleben sie ebenso wie ihre Angehörigen in einem entscheidenden Abschnitt in ihrem Leben, in dem sie hohe Belastungen zu ertragen haben. Da sind insbesondere Soft Skills wie etwa Gesprächsführung gefragt", meint Wieck mit Blick auf das Angebot des ZWW.

Auch mit wissenschaftlichem Arbeiten werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung vertraut machen. "Die Leistungen, die im Laufe von zwei Jahren erbracht werden, entsprechen in etwa denen eines Masterabschlusses", so Hörr. "Entsprechend vergeben wir 120 Leistungspunkte wie bei einem Masterstudium. Das ist neu und es sagt nicht nur viel über die Wertigkeit unseres Angebots, sondern auch über die enge Verbindung von ZWW und Universitätsmedizin."

Bisher schickte die Universitätsmedizin Mainz ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Heidelberg oder Ludwigshafen, wenn sie eine Weiterbildung zur onkologischen Pflegefachkraft absolvieren wollten. "Nun haben wir ein innovatives Angebot direkt im eigenen Haus", freut sich Hahn. "Natürlich ist das ein Pilot und wir werden im Laufe der Zeit an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Aber ich denke, wir haben die Weichen gestellt für eine noch bessere Pflege in der Onkologie. Das wird Strahlkraft haben – unter Fachkräften, aber auch unter Patientinnen und Patienten. Sie werden sich sagen: In Mainz sind wir gut versorgt."